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Die Ursache des modernen Bösen

Die Ursache des modernen Bösen:

Die wechselseitige Verstärkung
zwischen der materialistischen Linken und der rassistischen Rechten

Dies ist die wahre Ursache für die immer wiederkehrenden Zyklen des Blutvergießens in unserer Zeit: die westliche materialistische Religion der Wissenschaft und Technologie, die den Weg zum wahren Geist versperrt, lässt die menschliche Seele verhungern und austrocknen. Weil sie den Weg zum lebendigen Geist versperrt, der jetzt und in Zukunft wachsen will, verursacht sie das Heraufbeschwören Geister der alten Religionen durch die hungernde Menschheit. Diese beiden fundamentalistischen Religionen, die sich gegenseitig bekämpfen, arbeiten zusammen, um die richtige Entwicklung des Menschen und der Erde zu verhindern.

Von der materialistischen Linken, die sich selbst als gebildet, liberal und demokratisch bezeichnet, bekommen wir gesagt, dass Wissenschaft und Technologie, die beide glauben, dass nur die Materie real ist und dass der Mensch ein bedeutungsloser Klumpen Biomasse im Universum ist, die einzigen Kräfte des Fortschritts sind; aber nach mehr als einem Jahrhundert ist es klar, dass sie den Verlust der Bedeutung und des Wertes des menschlichen Lebens und die Zerstörung der Erde verursachen. Der materialistisch-liberale und demokratische Westen verbreitet in der ganzen Welt diese Kultur- und Gesellschaftskrankheit, die an den westlichen Universitäten kultiviert wird, die alle Bereiche unseres globalen Denkens und Lebens beherrscht und die zyklischen gewalttätigen Reaktionen der verarmten und verkümmerten menschlichen Seelen hervorruft.

In meinem Buch Die globale Verantwortung der USA: Individuation, Initiation und Dreigliederung habe ich den Ursprung und das Wesen dieser westlichen wissenschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Vorherrschaft beschrieben. Als Beispiel dafür habe ich den Aufsatz von Alston Chase, Harvard and the Making of the Unabomber (The Atlantic Monthly, Juni 2000), angeführt. Chase beschränkt sich nicht auf den Einzelfall des Unabombers, Ted Kaczynski, und die entsetzlichen Gedankenkontrollexperimente an Studenten der psychologischen Fakultät von Harvard, denen er ausgesetzt war. Er wirft ein durchdringendes Licht auf die ansonsten gut verborgenen intellektuellen und spirituellen Wurzeln des verheerenden westlichen intellektuell-materialistischen Einflusses. Dies hat universelle, globale Auswirkungen, denn wir alle sind Kinder dieser westlichen Kultur. „Von den Humanisten“, schreibt er, „lernten wir, dass die Wissenschaft die Zivilisation bedroht. Von den Wissenschaftlern lernten wir, dass die Wissenschaft nicht aufgehalten werden kann. Beide zusammengenommen implizierten, dass es keine Hoffnung gab. Die allgemeine Bildung hatte in Harvard eine Kultur der Verzweiflung geschaffen.‘ Er zitiert einen Ausspruch von Bertrand Russell aus dem Jahr 1929, der das religiöse Grunddogma dieser hochentwickelten und kultivierten, liberalen und technologisch brillanten materialistischen Kultur prägnant zum Ausdruck bringt: „Nur auf dem soliden Fundament der unnachgiebigen Verzweiflung kann die Behausung der Seele von nun an sicher errichtet werden“. Diese neue materialistische wissenschaftliche Religion der Verzweiflung wurde 1929 von den westlichen Intellektuellen von links verkündet und erhielt 1933 ihre überwältigende Antwort von rechts!

(Informationen dazu unter https://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Kaczynski)

Diese Kultur der Verzweiflung, die die Seele und den Geist des Menschen aushungert, zwingt die Massen, den Sinn in den Gespenstern von Rasse, Nationalität, Blut und Boden zu suchen, denn die Form von Wissenschaft und Technologie, die unser Leben beherrscht und zerstört, verweigert ihnen den neuen Sinn des Lebens und jede Hoffnung auf eine lebendige und sich entwickelnde menschliche Zukunft.

Deshalb ist die Schaffung einer lebendigen, menschlichen und heilenden Wissenschaft, die der Entwicklung des Menschen und der Erde dient, das wichtigste Ziel der heutigen Menschheit. Aber die westlichen Kräfte, welche die Wissenschaft, die Bildung und die Medien, die Kultur, die Gesellschaft und die Wirtschaft kontrollieren, sorgen dafür, dass die Menschheit nichts von der Existenz dieser Wissenschaft weiß, und investieren alle Ressourcen an Wissen und Kapital in das Erschaffen des genauen Gegenteils.

Dann reagiert die ausgehungerte, des Lebenssinns beraubte Menschenseele mit äußerster Frustration und Hass und erhebt sich, um diejenigen zu vernichten, die ihren existenziellen Hunger und ihre Entbehrungen verursachen. In den sich verschärfenden lokalen und globalen Kriegen der beiden sich gegenseitig fördernden Gegner von links und rechts wird der wahre Mensch zerstört, weil ihm der Weg zu den in seiner Seele liegenden Schätzen der Weisheit und Liebe versperrt ist.

In der heutigen Zeit kommt das Wohl des Menschen nicht von selbst zustande, ohne seine bewusste und aktive Beteiligung. Es kann sich nur im vollen Bewusstsein entwickeln, weil wir im Zeitalter des Bewusstseins leben, in dem wir klar verstehen müssen, woher wir kommen, warum wir hier sind und wohin wir gehen, über die Grenzen von Materie, Geburt und Tod hinaus. Ohne diese Erkenntnis und dieses Bewusstsein werden wir nicht in der Lage sein, unser wahres Wesen zu verstehen, es zu erfahren und zu verwirklichen und unsere potenziellen zukünftigen schöpferischen Kräfte zu entwickeln. Und dieser schmale Pfad zum wahren Wesen des Menschen ist seit mehr als hundert Jahren von den intellektuellen und wirtschaftlichen Eliten der westlichen Welt blockiert und verborgen worden.

Was ein jüdischer Weiser vor 2000 Jahren über die Pharisäer gesagt hat, trifft auch heute noch auf sie zu: Sie halten die Schlüssel zu Wissenschaft und Technologie, zu Wissen und Bildung, zu Kommunikation, Kapital und globaler Macht in ihren Händen und halten das Tor zum neuen spirituellen Wissen fest verschlossen, das jedem Menschen freien Zugang zu seinem wahren Menschsein gewährt. Mit der Macht des „liberal-demokratischen“ Staates kontrollieren sie alle gängigen Bildungs- und Kommunikationseinrichtungen, um die materialistischen Überzeugungen als einzige Wahrheit durchzusetzen, die als unhinterfragbares Gebot der globalen materialistischen Religion akzeptiert werden muss, die in den staatlich kontrollierten Forschungseinrichtungen, dem Bildungswesen und an den Schulen gelehrt und angewendet wird.

Das ist der wahre Grund für die Zyklen des Blutvergießens unserer Zeit: Das Blockieren des Weges zum wahren Geist lässt die menschliche Seele verhungern und austrocknen. Aber im Bewusstseinszeitalter kann der Mensch seine wahre Menschlichkeit nicht bewahren und entwickeln, wenn er seine ursprüngliche, schöpferische, sich entwickelnde geistige Essenz nicht kennt. Die menschliche Seele braucht ihrem Wesen nach neue spirituelle Erkenntnis, so wie der Körper Essen und Trinken braucht, und wie der Hunger leidende Körper stirbt sie ohne die lebensnotwendige geistige Nahrung. Der Hunger der menschlichen Seele lässt das hungernde, der Nahrung des neuen lebendigen Geistes beraubte menschliche Tier sich aus dem Abgrund erheben, und lässt es in seiner Not die Geister der Rasse, der Nation und der Blutreligionen herauf beschwören, die alles tun werden, um zu zerstören, was diesen Hunger verursacht.

So fördern sich beide Religionen gegenseitig in einem zerstörerischen Kreislauf von links und rechts, wissenschaftlicher Materialismus und religiöser Rassismus verstärken sich gegenseitig und bereiten den nächsten Krieg vor. Von der linken Seite her ist der Weg zur neuen spirituellen Erkenntnis versperrt, und hungert die menschliche Seele aus und macht sie leer, und auf der rechten Seite öffnet sich der Abgrund, aus dem die Kräfte des Blutes und der Rasse emportauchen, und diese beiden Teufel – der neue Materialismus und der alte Rassismus – bündeln ihre Kräfte, wirken in wechselseitiger Verstärkung, in einem kontinuierlichen, sich wiederholenden und vertiefenden blutigen Kreislauf auf der ganzen Welt, um die richtige Entwicklung des Menschen zu verhindern.

In meinem Artikel „Riding the American tiger“, der vor 21 Jahren in „Haaretz“ veröffentlicht wurde, habe ich beschrieben, wie dieser Kreislauf der Zerstörung in Israel-Palästina durch die jahrhundertelange akribische Umsetzung der amerikanisch-europäischen Strategie des „Kampfes der Kulturen“ geschaffen und gesteuert wurde. Sie ist dafür verantwortlich, dass jeder echte Versuch, eine israelisch-palästinensische Einigung zu erreichen, zunichtegemacht wird, und sie stellt sicher, dass die „blutige Trennungslinie“ zwischen der „westlichen christlich-jüdischen Zivilisation“, wie sie genannt wird, und der „islamischen Zivilisation“ nicht aufhört zu bluten, und dass die herrschenden Eliten in Israel, sowohl die linken als auch die rechten, dieser zerstörerischen Politik mit Begeisterung weiter dienen.

Link zum Originalartikel: https://www.haaretz.com/2002-10-04/ty-article/riding-the-back-of-the-american-tiger/0000017f-e7be-df5f-a17f-fffed2c50000

In dem sich intensivierenden Zusammenwirken von modernem Materialismus und altem Rassismus werden der Wert des Lebens und der Existenz, die Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe des modernen Menschen seit über einem Jahrhundert ausgelöscht und zum Verstummen gebracht. Das wahre Wesen des Menschen erodiert und schwindet von Generation zu Generation, und der Mensch wird umgewandelt in das böse Gegenteil seiner wahren, strahlenden und schönen Natur, die danach strebt, zu wachsen und sich zu entwickeln, wenn sie die geistige Nahrung erhält, die sie braucht.

Das ist die Ursache der katastrophalen Ereignisse der modernen Geschichte, für jedes Auge sichtbar, das ohne Illusionen die Wahrheit sehen und mit vollem Verständnis erkennen will, was hier und jetzt, jeden Tag und jede Stunde, in Israel und auf der ganzen Welt geschieht.

Zum Weiterlesen:

Die Apokalypse des 20. Jahrhunderts und der aufziehende Sturm des 21. Jahrhunderts

Aus dem 4. Vortrag im Buch Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit (S. 257ff)

„Ich muss das sagen, auch wenn es vielleicht etwas hart empfunden wird: All das Leid, das wir selbst erleben und das andere um uns herum erleben, ist nicht wirklich die schlechte Nachricht. Die Kriege sind der äußere Ausdruck und die Symptome der Krankheit, nicht ihre Ursachen. Die Kriege, die Armut und die globale Erwärmung sind nicht die wirklich schlechten Nachrichten. Die Demokraten und Liberalen nutzen die Schuld und Schande, die wir über die schreckliche wirtschaftliche Ungleichheit und den Missbrauch der Natur empfinden, um ihre materialistische Propaganda zu intensivieren, die den rein ahrimanischen wirtschaftlichen und politischen Strategien dient. Die Rechtsextremen aller Art manipulieren die Wut, den Groll und die Frustration, verursacht durch die materialistische Weltsicht und die Gesellschaftsordnung, die von den intellektuellen Eliten aufgezwungen werden; ihre kontinuierliche Indoktrinierung der Menschheit mit materialistischer Wissenschaft, Politik, Kultur, Bildung und Wirtschaft trocknet die menschliche Seele aus und bereitet das Holz vor, um Feuer zu fangen, wenn die höllischen Feuer des alten Blutes, der alten Rasse und des alten Bodens wieder entzündet werden. Durch den politischen Krieg zwischen links und rechts wirkt der große und wirklich schreckliche ahrimanisch-luziferische Wahn, der angestiftet wurde, um das gegenwärtige Chaos aufrechtzuerhalten und zu vergrößern, das die Fortsetzung und Vertiefung desselben modernen Schlafs garantiert; er zielt darauf ab, die Menschen der Verwirrung, Verzweiflung und Sinnlosigkeit zu unterwerfen, die Sümpfe und Moraste dieses Abgrunds zu brauen und zu kochen und sie durch zunehmende Ungerechtigkeit und menschliches Leid sowie die Zerstörung der Natur und der Erde anzufeuern. Natürlich ist dies nur möglich, weil die Menschen diese Versklavung so leidenschaftlich wünschen.

Wir alle sind Menschen der modernen Zeit, nicht wahr, die verzweifelt alles glauben wollen, selbst die schrecklichsten, unwahrhaftigsten und grausamsten Dinge, um uns vor unserer einen und größten Angst zu schützen: der Angst, unser wirkliches geistiges Wesen in einer spirituellen Evolution von Erde und Kosmos bewusst zu erleben und zu entwickeln. Natürlich wünschen wir uns deshalb so leidenschaftlich, auf alle möglichen und unmöglichen Arten betrogen und getäuscht zu werden, nur um vor der wirklich schrecklichen Nachricht – das ist Ahrimans Überzeugung – geschützt zu sein, dass wir alle von Gott geschaffene, schöpferische spirituelle Wesen sind, Teil der erstaunlichsten, sich ständig weiterentwickelnden Menschheit, der Erde und des Universums; und wir würden alles tun, um zu verhindern, dass dieses Wissen in unser Bewusstsein und unsere Herzen eindringt, denn wir wissen sehr gut, dass dieses erstaunliche Wunder der wirklichen spirituellen Existenz und Evolution mit dem herausforderndsten Preis einhergeht. Jede menschliche Seele in unserem Zeitalter weiß, dass, um diese unendliche Weisheit, Wahrheit, Schönheit und Liebe zu erfahren und zu verkörpern und mit ihr zu wachsen, jeder seine und ihre niedere Natur erkennen, sich ihr stellen, sie heilen und umwandeln muss. Ja, gewiss, auf dieser einen entscheidenden Klippe, am Rande dieses Abgrunds, drehen wir uns immer um und deshalb fallen wir und verlieren unsere Menschlichkeit. Besser ewige Unwissenheit in der Hölle, so sagen wir uns, durch luziferische Glückseligkeit oder ahrimanisches Elend und ihre unendliche Anzahl von Kombinationen, denn alles ist besser als wahre Selbsterkenntnis, die von uns verlangt, aktiv zu akzeptieren, dass wir uns entwickelnde göttliche Wesenheiten sind und daher ewig für all unsere Taten und Missetaten verantwortlich, von undenklichen Zeiten bis heute und für alle zukünftigen Zeiten.

Die wirklich schlechte Nachricht ist der kontinuierliche ahrimanische Sieg über die ganze Erde durch die beiden apokalyptischen Tiere, der hinter all dem intellektuellen und technologischen Materialismus unserer Zeit steht, der natürlich zweiseitig ist, allseitig, dem alle Parteien mit voller Hingabe, von rechts bis links und allen Schattierungen in der Mitte, zustimmen, der die Menschheit seit Ende des 19. Jahrhunderts in ein ständiges geistiges Koma, in einen komatösen moralischen und kognitiven Zustand versetzt hat.

Dieser materialistische Schlaf, einschließlich seiner verfeinerten Variationen unter geistig veranlagten Menschen – das ist der wahre Name unserer fortwährenden modernen Katastrophe. Aber was als Kriege und Blutvergießen und Erschütterung der Erde und des Himmels erscheint, ist das, was man den Zorn Gottes oder die kabbalistische Kraft des Din, das Gericht Gottes, nennt. Die tiefe esoterische Wahrheit, die in allen wahren esoterischen Traditionen bekannt war und besonders in den alten jüdischen esoterischen Traditionen von zentraler Bedeutung ist, besteht darin, dass der göttliche Zorn ein Ausdruck der tiefsten Liebe Gottes ist, weil Er versucht, uns aus den Fesseln dieses Materialismus zu befreien. Und dieses Zittern ist der Schmerz, den wir um uns herum erleben und sehen. Denn die Alternative ist der völlige Absturz in ein absolut materialistisches Höllenparadies, in dem wir jetzt schon nach und nach all unsere Menschlichkeit verlieren. Die schrecklichen Erschütterungen, die Kriege, die Leiden, die Klimaveränderungen sind der physische Ausdruck der Liebe Gottes und helfen uns, zu der moralischen und kognitiven, spirituellen Krankheit unserer Zeit aufzuwachen. Es ist eine Gnade, die in dieser Form immer noch gegeben ist, die Menschen, die noch aufwachen wollen, zu erschüttern und aufzuwecken. Die Liebe Gottes kommt uns zwar immer wieder zu Hilfe, aber weil es das Zeitalter der Freiheit ist, kann sie uns nicht einfach retten, denn das würde uns unreif bleiben lassen, deshalb kann sie uns nur diese radikalen Erschütterungen und Erdbeben anbieten, um einige der verhärtenden Formen zu brechen und uns wieder einige Momente größerer Freiheit zu lassen, damit wir wieder wählen können. Dies ist im Grunde genommen die wesentliche Struktur der menschlichen Evolution im Verlauf der gegenwärtigen, fünften Kulturepoche, und sie wird auf ihrem Weg bis zur Mitte des 4. Jahrtausends viele verschiedene Formen annehmen.

Der Zorn Gottes ist nicht böse, er ist ein Ausdruck der Liebe Gottes, die uns aufrütteln will aus diesem materialistischen ahrimanischen Komplott, das uns völlig in seinen tödlichen Morast versenken will, während luziferische Wesen unser Schiffswrack begleiten und auf dem Deck süße geistige Schlaflieder spielen. Was die Menschen heute wirklich wollen, ist schlafen und völlig in die neuen Formen des Materialismus und Spiritualismus eintauchen. Wir beschwören diesen Zorn Gottes herauf. Ich werde nicht von Gottes Reinigung und Läuterung sprechen, denn das ist zu viel verlangt, das ist etwas, das die Menschen selbst tun müssen, es ist kein von Gott gegebener Dienst mehr; aber dieser große Schmerz und das Leid, die uns immer wieder erschüttern, geben uns noch eine weitere Chance, uns zu ändern, bevor dieser Moment der wahren menschlichen Freiheit tatsächlich ganz verloren geht.19

Die wahre Michael-Bewegung muss jetzt und in der Zukunft in aller Stille tätig sein und den kreativen Strom und die schneeballartige Aufwärtsdynamik, die von einem Jahrzehnt zum nächsten und schließlich von einer Generation zur nächsten positiv wachsen wird, wie wir sie oben beschrieben haben, so einleiten, dass das Wesen der Anthroposophie, nämlich die Anthroposophia, durch uns auf der Erde in den kommenden Jahrzehnten organisch wachsen und sich entwickeln wird. Sie muss zumindest unter einigen Menschen die neue Gruppenseele und der Kelch für die Wesenheiten von Michael und Christus werden. Und wir werden mehr Gelegenheiten haben, darüber zu sprechen, in viel konkreteren Formen und Details, je mehr unsere Arbeit wächst und direkt und bewusst mit diesen göttlichen Wesen und diesen Aufgaben verbunden wird. Je stärker wir werden, je reifer und jünger wir werden, desto wahrhaftiger und genauer werden wir sie sehen, denn wir werden sie in unserem wirklichen Leben erfahren.“

 

Die wichtigste Botschaft, die ich damals und auch heute vermitteln wollte, ist diese: dass wir uns unserer Rolle bewusst sein müssen – der des Überbringens der wirklich guten Nachricht. Und die gute Nachricht muss immer mit einer friedvollen, ruhigen und mitfühlenden Geistes- und Herzenshaltung weitergegeben werden. Wo immer wir hingehen, müssen wir Boten des Friedens inmitten von Angst und der Liebe und des Vertrauens inmitten von Hass und Verwirrung sein. Denn unser Wissen um die Antwort auf die Situation der Menschheit ist kein theoretisches Wissen in unseren Köpfen, sondern lebt und wirkt als reale Kraft in unseren Herzen und Seelen und wir verkörpern es in unseren Körpern und Taten.

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Das Ziel der Arbeit in der Globalen Schule für Geisteswissenschaft im Jahr 2023

 

Das Ziel der Arbeit in der Globalen Schule für Geisteswissenschaft im Jahr 2023

 

Auszüge aus einem Vortrag vom 21. Januar 2023

 

Im Folgenden gebe ich einen Teil eines Vortrags wieder, der in der globalen Schule für Geisteswissenschaft gehalten wurde. Unsere gegenwärtige Arbeit ist der Vorbereitung der Feierlichkeiten zu den drei hundertjährigen Ereignissen gewidmet: Dem Brand des ersten Goetheanums an Sylvester 1922-2022, der Weihnachtstagung 1923/24-2023/24 und dem Tod Rudolf Steiners am 30. März 1925-2025. Für ein Verständnis des Kontextes, in dem diese Arbeit geschieht, sollten insbesondere die folgenden Bücher studiert werden: Das spirituelle Ereignis des 20. Jahrhunderts, Michaelisches Yoga und Menschheitsdämmerung und Auferstehung der Menschheit.

Der Siebenjahresrhythmus unserer Arbeit in den Jahren 2017-2024

Um unsere Arbeit in den Jahren 2023 und 2024 im Zusammenhang mit unserer Arbeit der letzten Jahren zu vertiefen, schlage ich vor, dass wir in unseren nächsten Schultreffen versuchen sollten, herauszufinden, wie sich der Schulimpuls in den letzten sechs Jahren entwickelt hat und wie er seinen siebenjährigen Rhythmus in der Hundertjahrfeier der Weihnachtstagung an Weihnachten 2023-24 vervollständigen wird. Auch hier sollte die Frage sein: Wie hat sich dieser Impuls als Ganzes entwickelt? Darüber haben wir bereits in Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit gesprochen. Wir haben einige der wichtigsten Etappen des Weges beschrieben, wie er von Israel aus Ostern 2017 begann, 2018 nach Deutschland und im Februar 2019 nach Schweden führte, wo die Vorträge über Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit gehalten wurden. Dann reisten wir im Sommer 2020 zur Gründungsversammlung der Schule zum Ground Zero in den USA. Ein knappes halbes Jahr später führte uns die Reise über ein weiteres Treffen im Februar 2021 in Schweden im April 2022 zurück nach Deutschland. Und dann trafen wir uns an Sylvester 2022 und zu Beginn des Jahres 2023 in Finnland, um den hundertsten Jahrestag des Brandes des ersten Goetheanums zu begehen.

Und nun, im Jahr 2023, werden wir zum Forum 3 in Stuttgart reisen, um das hundertjährige Bestehen der Weihnachtstagung zu feiern. Sieben Jahre reist dieser Impuls mit uns – oder besser gesagt, reisen wir mit ihm – von seiner Empfängnis in Jerusalem an Ostern 2017 bis zu seiner Blüte in Deutschland an Weihnachten 2023-24. Es war und ist eine bemerkenswerte Reise und sie wird es noch mehr werden, wenn wir unsere Liebe, Hingabe und Ehrfurcht zu diesem geistigen Wesen intensivieren und vertiefen.

Betrachten wir es als einen vollständigen Prozess der Inkarnation, des Wachstums und der Blüte von Israel bis Deutschland, so können wir es als Ausdruck dessen empfinden, was wir „den dreifachen Herzschlag Michaels“ nannten, der im Siebenjahresrhythmus pulsiert. Wir konnten in diesem Strom eine innere organische Struktur der Entwicklung von der Saat bis zur Blüte finden, einen rhythmischen, organischen Fluss, der in Israel, der Mitte der Erde, im Süden, geboren wurde, sich in den jugendlichen Kräften des Nordens sammelte und in Deutschland, der Mitte Europas und der Menschheitsentwicklung im gegenwärtigen Zeitalter, erblühte. Und wir sollten diese Frage immer wieder neu stellen: Was geschah wirklich in dieser Metamorphose von Israel 2017 bis Inari 2022-23, und was muss dann geschehen, wenn der 7-Jahres-Zyklus zwischen Israel und Deutschland an Weihnachten 2023-24 erfüllt sein wird?

Um dieses Mysterium zu begreifen, müssen wir Geist-Erinnern, Geist-Besinnen und Geist-Erschauen üben, um die verborgenen geistigen Aspekte des von uns Erlebten ins Bewusstsein zu bringen. Es ist keine intellektuelle Angelegenheit, wie ihr wisst, kein gedankliches Gerüst, über das man nachdenken, das man analysieren und erkennen sollte. Es handelt sich um eine reale geistige Situation und ein reales spirituelles Ereignis. Was sagt sie uns, wenn wir auf den dreifachen Herzschlag Michaels hören und die Zeichen der Zeit lesen? Was nehmen wir wahr, wenn wir das neu entfachte Christus-Feuer aufnehmen, das vom Osten her auflodert und sich im Westen formt? Erinnert euch auch an das, was wir in unseren Vorträgen Von der Tragödie zur Hoffnung darüber gesagt haben, wie dieser Impuls so eindringlich und erwartungsvoll die Menschenherzen zum Erwachen aufruft, hörbar für die Geistesohren und sichtbar für die offenen Geistesaugen. Schon seit Jahrzehnten können wir ihn wahrnehmen, wie er machtvoll spricht zwischen Ost und West, Nord und Süd, durch den geistigen Herzschlag, der die Mitte der Erde und Europa vereint. Er spricht zu uns über das, was der Christus durch alle Holocausts der Menschheitsdämmerung im 20. Jahrhundert hindurch erlebt hat, und was sich durch Seine Auferstehung im Ätherischen im 21. Jahrhundert offenbart hat. Nur durch die Erfahrung des siebenfältigen Rhythmus als Ganzes können wir erkennen, was in jedem einzelnen Jahr während unserer globalen Treffen geschehen ist, wie jetzt vor kurzem auch in Finnland.

Und vor diesem Hintergrund können wir beginnen, die kommenden wichtigen Jubiläumsjahre 2023, 2024, 2025 vorzubereiten. Um die Hundertjahrfeier der Weihnachtstagung richtig vorzubereiten, wird es sehr hilfreich sein, wenn wir diesen 7-Jahres-Rhythmus klar im Bewusstsein haben. Es wird uns dabei helfen, den Kelch zu formen, mit dem wir dieses Ereignis empfangen und verwirklichen können, und wenn wir dies tun, wird daraus die zukünftige Keimkraft dieses Samens für die kommenden schöpferischen Entwicklungen von 2025 bis 2045 werden.

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Aus den Vorbereitungen für die Hundertjahrfeier der Weihnachtstagung

Aus den Vorbereitungen für die Hundertjahrfeier der Weihnachtstagung

Im Laufe des Jahres 2023 werde ich in meinem Blog einiges aus den Leitlinien teilen, die in der globalen Schule für Geisteswissenschaft zur Vorbereitung auf die Hundertjahrfeier der Weihnachtstagung gegeben werden. Für ein vollständiges Verständnis dieser Vorbereitungen ist es notwendig, mein Buch „Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit: Die Geschichte der Michael-Bewegung seit dem Tod Rudolf Steiners“ zu lesen. Dies ist die Grundlage, auf der die Vorbereitungen für die kommende Hundertjahrfeier zu Weihnachten basieren.

 

Vorwort: Was ist wahre Geisteswissenschaft?

Unsere Herangehensweise an die Hundertjahrfeier der Weihnachtstagung muss sich deutlich von den üblichen Wiederholungen und Interpretationen, was Rudolf Steiner in den Jahren 1923-24 getan und gesagt hat, unterscheiden. Jedes vergangene Ereignis kann auf zwei diametral entgegengesetzte Arten aufgefasst werden. Die Erinnerung an das, was vor 100 Jahren geschah, kann entweder zum Anlass werden, die abgeschlossene Vergangenheit zu konservieren, zu ritualisieren und zu dogmatisieren, wie es in allen früheren religiösen und spirituellen Strömungen geschehen ist. Oder sie kann als Sprungbrett dienen, um die übersinnliche Fortsetzung dieses Geschehens in der geistigen Welt wahrzunehmen und ihre lebendige Aktivität heute zu erfassen. Diese grundlegende Unterscheidung entscheidet darüber, ob Geisteswissenschaft zu einem intellektuellen Showbizz und zu einem erstarrten Dogma wird, das unsere Verbindung zu den geistigen Welten blockiert, oder zu einem geistigen Erwachen und zur schöpferischen Mitwirkung an den bedeutsamsten geistigen Ereignissen der Gegenwart.

Deshalb wird in der Arbeit der Schule für Geisteswissenschaft die Hundertjahrfeier der Weihnachtstagung nicht als eine weitere Gedenkveranstaltung gefeiert, die das Gedenken an die konservierte und tote Vergangenheit anstrebt. Für die wahre Geisteswissenschaft ist die Erinnerung nur der Ausgangspunkt für schöpferische geistige Aktivität und Wahrnehmung, die erforschen, wie sich dieser Impuls während der vergangenen 100 Jahre zwischen 1923-24 und 2023-24 in der geistigen Welt weiterentwickelt hat.

Das bringt uns naturgemäß auf die am meisten missverstandene und vereinnahmte Grundfrage: Was ist die Geisteswissenschaft, wie sie Rudolf Steiner praktiziert hat und von der er hoffte, dass seine Schüler sie ebenfalls praktizieren würden? Was ist eigentlich wahre Geisteswissenschaft?

Geisteswissenschaft beginnt mit dem gewöhnlichen Bewusstsein und mit der Wahrnehmung der physischen Welt und schreitet dann Schritt für Schritt zu höheren Stufen der geistigen Wahrnehmung und der Erkenntnis fort. Wenn der Geisteswissenschaftler die spirituellen Kräfte hinter irgendeinem Objekt oder Vorgang in der physischen Welt erforschen will, beginnt er mit dem gewöhnlichen Bewusstsein. Er benutzt zunächst seine alltägliche Wahrnehmung und sein alltägliches Denken und natürlich auch sein Erinnerungsvermögen, um das Objekt und den Vorgang zu beobachten und zu untersuchen, wie es jeder ernsthafte Naturwissenschaftler tun würde. Und dann schreitet er weiter zur spezifischen geisteswissenschaftlichen Tätigkeit, die darauf abzielt, das zu spiritualisieren, was durch die gewöhnliche Wahrnehmung und das Denken erreicht wurde. Und wie macht er das? Was ist die wundersame Kraft, die das gewöhnliche Bewusstsein in geistiges Bewusstsein umwandelt?

Die Spiritualisierung der gewöhnlichen Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, des Fühlens und des Wollens findet in der Meditation statt. Mediation ist die Bezeichnung für das magisch-alchemistische Labor und den Prozess der Transmutation und Spiritualisierung aller irdischen Seelenkräfte und aller Inhalte des gewöhnlichen Bewusstseins in ihre übersinnlichen Archetypen. Die Praxis der Meditation wandelt die Kräfte des gewöhnlichen Bewusstseins in Organe und Fähigkeiten der übersinnlichen Wahrnehmung um. Diese Fähigkeiten werden benutzt, um die hinter der physischen Welt wirkenden geistigen Kräfte zu erforschen. Dann bieten wir die von uns in der physischen Welt geernteten spiritualisierten Inhalte unserer Wahrnehmung, unserer Gedanken, Erinnerungen, Gefühle und unseres Wollens den Wesen der geistigen Welt an. Die Meditation wird zu unserem Beitrag zum neuen kosmischen Kultus und zur geistigen Gemeinschaft der Menschheit und zur Bildung der Sonne werdenden Erde. Unsere geistigen Gefährten atmen sie als ihre Nahrung ein, spiritualisieren sie weiter und geben sie in dieser spiritualisierten Form an uns zurück. Auf diese Weise – wie wir in Michaelisches Yoga: Wie ein Buch geboren wird ausführlich gezeigt haben – erschafft der Geisteswissenschaftler einen Dialog und Wechselgespräch mit den höheren Wesen, das auf lebendiger gegenseitiger Befruchtung beruht und die Kräfte beider Seiten verstärkt.

Der Mensch ernährt die Götter und kommuniziert mit ihnen und die Götter finden die Menschheit und die Erde wieder und strömen ihre Inspirationen und Segnungen aus. Wir empfangen ihre Inspirationen und nutzen sie, um unseren heiligen Enthusiasmus, unsere schöpferische Freude und unsere Gemeinschaftsbildung zu befeuern, um den umgekehrten Kultus voranzubringen und um auf ihre Gnade zu antworten. Auf diese Weise findet ein wechselseitiges Atmen und Pulsieren zwischen der neuen Erde und dem neuen Himmel statt: Die neue Erde steigt auf durch unseren Gemeinschaftsgeist, und ihre Früchte werden den Göttern geopfert, und der neue Himmel steigt herab durch die sich ausströmende Gnade unserer Gefährten. Und wo die neue Erde und der Himmel sich treffen und sich gegenseitig befruchten, offenbart sich der ätherische Christus, und der moderne Mensch wird zur schöpferischen Kraft im Leben der Gesellschaft und der Erde.

Mit anderen Worten, die Geisteswissenschaft geht von der Beobachtung und vom Studium der physischen Welt aus, und dazu gehören auch die physischen Bücher der Geisteswissenschaft. Es gibt keinen prinzipiellen Unterschied, ob ich eine Pflanze oder die Weihnachtstagung beobachte und studiere. In beiden Fällen verwandle ich in der Meditation die gegebene physische Wahrnehmung und das in der physischen Welt erworbene intellektuelle Wissen und entwickle die geistigen Wahrnehmungsorgane, um die dahinter wirkenden geistigen Kräfte zu entdecken. Die physischen Dokumente, in denen die Grundsteinlegung beschrieben wird, und der Text der Grundsteinmeditation, sind das Rohmaterial für die meditative Praxis, wie sie Rudolf Steiner in seinen Grundlagenbüchern vermittelt. Wir aktualisieren diese meditative Praxis mit den Inhalten der Dokumente und Zeugnisse über die Weihnachtstagung und warten auf die Antworten der geistigen Welt.

Nachdem wir mit dem Studium der gegebenen Materialien und Interpretationen begonnen hatten, gingen wir zur meditativen Praxis und spirituellen Forschung über, wie sie in den Büchern Die neue Erfahrung des Übersinnlichen und Michaelisches Yoga beschrieben sind. Das führte zu bestimmten geistigen Beobachtungen, durch die wir die übersinnliche Bewegung und die Schule Michaels untersucht haben, wie auch das gegenwärtig aktive, in hohem Maße umgewandelte geistige Wesen der Weihnachtstagung, das in Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit beschrieben wird.

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Die Begegnung mit dem ätherischen Christus, Teil 1

Aus der laufenden Arbeit an der Einleitung zur zweiten Auflage der Neuen Erfahrung des Übersinnlichen

 

Aus der neuen Einleitung

Wir haben oben die Christus-Erfahrung des Paulus vor den Toren von Damaskus als den Beginn der Durchchristung des Denkens beschrieben, die das westliche Denken in den letzten 2000 Jahren spiritualisiert hat. Dasselbe gilt für die moderne paulinische Erfahrung der Wiederkunft. Dank der geisteswissenschaftlichen Erforschung dieses Ereignisses ist es möglich, einige seiner zentralen Aspekte zu erläutern.

Zu diesem Zweck wollen wir uns zunächst den ersten Absatz von Kapitel 4, Die moderne Christus-Erfahrung – Die Begegnung mit dem neuen Initiator, vor Augen führen. In diesem Kapitel wird die gegebene Christus-Erfahrung beschrieben, in welcher der Christus dem menschlichen „Ich“ die Samen-Essenz oder „Kopie“ Seines Selbst anbietet und sie als Samen für die zukünftige Umwandlung in Geist, Seele und Leib einpflanzt, dabei gleichzeitig seine zukünftige Entwicklung aufzeigend:

Es gibt drei Hauptelemente oder Stufen in dieser Begegnung, die zwar in der konkreten Erfahrung eine Einheit bilden, hier aber um der Klarheit willen getrennt beschrieben werden.

Die erste Stufe könnte als Auferstehung und Erwachen der Seele aus dem Tod durch die Imagination der ätherischen Erscheinung des Christus beschrieben werden.

Die zweite ist die Heilung und Verwandlung der Seele durch die Inspiration Seiner lebendigen Worte.

Die dritte Stufe könnte als das Entfachen und Nähren des ewigen Feuers des Selbst innerhalb des physischen Leibes durch die Intuition seiner aktiven Gegenwart beschrieben werden.

Die phänomenologische Erforschung der drei Stufen wird im 4. Kapitel beschrieben und wird im 5. Kapitel anhand des Erkenntnisdramas der Wiederkunft individualisiert und rekapituliert. Für das Erkenntnisdrama der Wiederkunft dient die in der Christus-Erfahrung angebotene und empfangene Ich-Kopie als Archetyp und Urform, entsprechend denen die geisteswissenschaftliche Untersuchung dieses Ereignisses erfolgt und die es uns ermöglicht, seine einzigartige Natur zu verstehen.

Der bedeutendste Aspekt der modernen Christus-Erfahrung lässt sich unter diesem Gesichtspunkt folgendermaßen beschreiben. 

Wenn wir in das Licht geistiger Erkenntnis bringen, was in diesem Ereignis geschieht – während des Angebotes und der Aufnahme des Christus-„Ich“ in unser eigenes „Ich“ – stellen wir fest, dass hier zwei Aspekte des menschlichen Lebens in einem Ereignis vereint sind, die im gewöhnlichen Bewusstsein vollständig voneinander getrennt sind: die unbewusste Realität der geistigen Welt und die selbstbewusste „Ich“-Erfahrung in der physischen Welt. Die Erde ist der einzige Ort im Universum, an dem wir durch die Inkarnation in einem physischen Leib das Selbstbewusstsein entwickeln können. Wenn wir uns im physischen Leib inkarnieren, geben wir unser geistiges Bewusstsein auf, das während des irdischen Lebens in einem Zustand tief unbewussten Schlafs verbleibt. In dem Augenblick, in dem sich das menschliche „Ich“ und das Christus-“Ich” in der ätherischen Welt von Angesicht zu Angesicht begegnen und ein Abdruck des Christus-“Ich” in das menschliche „Ich“ eingepflanzt wird, da werden diese beiden getrennten Bewusstseinszustände zu einem Bewusstseinszustand in der ätherischen Welt. In diesem Augenblick wird unser physisches Selbstbewusstsein aus dem physischen Leib und der physischen Welt erhoben in den Ätherleib und die Ätherwelt, löst sich dort jedoch nicht auf, wie es sonst im Schlaf und nach dem Tod geschieht. Vielmehr wird es zu einem vergeistigten Selbstbewusstsein, das als eigenständiger Teil der ätherischen Welt erlebt wird.

Wir müssen uns also eine vollkommen neue geistige Situation und ein vollkommen neues geistiges Ereignis vorstellen, in denen wir uns bei dieser Begegnung befinden. Diese neue Situation ist ein intensives ätherisches Ereignis, und die Welt, in der es gebildet und gegründet ist, ist die ätherische Welt. Übersinnliches Selbstbewusstsein ist der neue, in diesem Ereignis errichtete Zustand des Bewusstseins. Das heißt, bei diesem Treffen verschmelzen die beiden einander auf der Erde ausschließenden Bewusstseinszustände miteinander und schaffen einen dritten und völlig neuen

Bewusstseinszustand: selbstbewusstes geistiges Bewusstsein. Das gewöhnliche, vollständig wache Selbstbewusstsein und das unbewusste spirituelle Bewusstsein, im modernen Leben völlig

voneinander getrennt, verschmelzen miteinander, und ihre Essenzen werden untereinander getauscht und umgewandelt. Das unbewusste geistige Bewusstsein wird selbstbewusst, und das physische Selbstbewusstsein wird vergeistigt. Beide Bewusstseinszustände durchdringen sich gegenseitig, und jeder wird durch den anderen wiedergeboren und vergeistigt. Dieser Wesenstausch vollzieht sich im Geben und Empfangen der “Ich”-Kopie des Christus, und das Licht, das sie zum vollen geistigen Selbstbewusstsein bringt, ist das „Gralslicht“, wie wir durch Rudolf Steiner wissen. (Wir lernen „im Anblick jener heiligen Schale das Mysterium von dem Christus-Ich … kennen …, um das Christus-Ich im Anblick des Heiligen Gral zu empfangen.“ Vortrag vom 11.4.1909, GA 109, S.117f, Dornach 1965. Wie wir weiter unten sehen werden, wird die geistige Quelle dieses Lichtes erst später, bei weiteren geisteswissenschaftlichen Untersuchungen, bekannt und offenbart sich als die übersinnliche Wesenheit der Anthroposophia. Zunächst aber wird dieses die Begegnung mit dem Christus erhellende Licht als fester Bestandteil des geschenkten Ereignisses gegeben, und wir unterscheiden es nicht vom gesamten Geschehen).

Die Vergeistigung des Selbstbewusstseins verändert auch auf einschneidende Weise unsere Wahrnehmung und unser Verständnis dessen, was das „Ich“ wirklich ist. Weil das Selbstbewusstsein, das Wissen, dass das „Ich“ ein „Ich“ ist und eine unabhängige Existenz in der Welt hat, vergeistigt wird, wird man sich der Tatsache bewusst, dass das wahre „Ich“ ein universelles, ja kosmisches, geistiges Wesen ist; und das wahre geistige „Ich“ ist ein Teil einer neuen geistigen Welt. Und so wie die physische Welt mit ihren Kräften und Substanzen den physischen Leib aufbaut und formt, durch den wir unser gewöhnliches Selbstbewusstsein erlangen, so tut es die ätherische Welt hinsichtlich unseres Ätherleibes und der neuen Beschaffenheit des geistigen Selbstbewusstseins. Das heißt, in diesem Ereignis wird eine objektive übersinnliche Wirklichkeit – das geistige Wesen des in der ätherischen Welt offenbarten Christus – als die gestaltende Quelle und Kraft eines neuen geistigen Selbstbewusstseins erfahren, das sich bisher nur in der physischen Welt zu individualisieren vermochte. So wie die physische Welt das physische Selbstbewusstsein schenkt, so schenkt uns der ätherische Christus in der ätherischen Welt das geistige Selbstbewusstsein. Dieses ätherische, imaginative Selbstbewusstsein ist ein neu geschenkter Bewusstseinszustand, der durch Christi imaginative Erscheinung, Worte und Taten gnadenvoll angeboten wird, und das ist der Grund, warum das Geben und Empfangen seines „Ich“ in äußerst deutlicher, klarer und selbstbewusster imaginativer Wahrnehmung stattfindet.

 Wollen wir diese Situation und dieses Ereignis zutreffend darstellen, so müssen wir aus der Sicht der modernen Geisteswissenschaft sagen: In der imaginativ wahrgenommenen Welt erscheint ein Wesen – das einzige dieser Art in unserer Welt -, durch dessen ätherische Erscheinung und dessen ätherischen Werdeprozess, die sich im menschlichen Ich und durch das menschliche Ich vollziehen – die Totalität der Idee, die des göttlichen Urbildes des Menschen in Geist, Seele und Leibes, unmittelbar erfahren werden kann. Wir erleben und sehen uns selbst durch das uns einwohnende Christus-„Ich“ in unserem eigenen „Ich“ im Lichte der zukünftigen Ganzheit und Fülle unserer göttlichen Natur; sie erscheint ausgebreitet in der immerwährenden Zeit, als ein vollkommener Werde-Strom aus der entferntesten Vergangenheit bis in die ferne Zukunft. In dieser Begegnung und in diesem Essenz-Austausch sind wir jedoch keine außenstehenden Zuschauer wie in der physischen Welt; wir nehmen innerlich und aktiv an diesem Ereignis teil; es ist ein dynamisches und in der Tat – wie wir gleich sehen werden – wechselseitiges Ereignis; wir wissen, dass das Wesen, welches in der äußeren, objektiven ätherischen Welt erscheint, unser eigenes Höheres Selbst ist, dass wir in diesem Moment aus unserem physischen Leib und unserem gewöhnlichen Selbstbewusstsein herausgehoben und gnadevoll hineingenommen werden in sein Wesen, und dass wir in derselben lebendigen Zeit – ätherisch gesprochen – seine ätherische Erscheinung, seine Worte und Taten aufnehmen und durch sie sein „Ich“ aufnehmen in unser „Ich“, in unsere Seele und unseren Leib. Wie in Kapitel 10 von Michaelisches Yoga gezeigt wird, ist dies ein beiderseitiges Werden: Er nimmt die Essenz unseres irdisch-menschlichen Seins in sein göttliches „Ich“ auf und wir nehmen die Essenz seines „Ich“ in unser irdisch-menschliches Sein auf. Indem unser geistiges Selbstbewusstsein in Seinem Wesen wohnt, werden wir zu einem ewigen Teil Seines Wesens; und indem Er in unserem Wesen wohnt, wird Sein Wesen ein ewiger Teil von uns. Und wir sind uns der Tatsache bewusst, dass dieses Ereignis ein kosmisches Geschehen ist und dass wir zu aktiven und schöpferischen ätherischen Teilnehmern an einem Welt-Werdeprozess werden, der in der weit geöffneten ätherischen Welt stattfindet. Wir spüren, dass das ganze Universum mit uns und durch uns an diesem Menschen- und Welt-Werdeprozess teilnimmt, und wir wissen: Durch das gegebene „Ich“ des ätherischen Christus verwirklichen wir den unendlichen Werdeprozess unserer zukünftigen Menschheit, denn dieses „Ich“ verkörpert (stets) zu jeder Zeitperiode den göttlichen Archetyp und die Fülle unseres menschlich-kosmischen Werdens …

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Die Begegnung mit Michael

Michael selbst atmet in und durch uns, und die gesamte menschliche Erfahrung dieses ätherischen Atmens ist Ausdruck eines einzelnen, individualisierten Pulses und Schlages seines unendlichen kosmischen Atmens und Herzschlages.

»Diesen neuen Yoga-Willen, den müssen wir entwickeln.«

Die drei Begegnungen 
Christus, Michael und Anthroposophia

Ein Auftakt zur Neuauflage von Die neue Erfahrung des Übersinnlichen

Ausschnitte aus dem 5. Kapitel: Die Begegnung mit Michael

Nun findet Michael im ätherischen menschlichen Herzen, im einwohnenden »Ich« des Christus seine Wohnstätte, und durch seine Anwesenheit ist seine kosmische Mutter Sophia gegenwärtig; und das einwohnende Wesen Michaels vereinigt sich in unserem Herzen mit dem einwohnenden Wesen Christi. Himmlisch-irdische Erfüllung und Freude werden erlebt, wenn diese Begegnung anhebt, um ganz gewöhnliche irdische Worte zu benutzen, denn Michael und Christus waren voneinander getrennt, nachdem der Christus die Sonne vor dem Mysterium von Golgatha verlassen hat. Christus hat seit Golgatha auf der Erde gelebt, und Michael blieb bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weiter in der Sonne, bis er seinen Abstieg zur Erde begann, um seine Aufgabe in seinem neuen Zeitalter zu erfüllen. Wenn Menschen dem ätherischen Christus begegnen und das Christus-»Ich« durch das Licht der modernen Grals- und Geisteswissenschaft in ihr Herz aufnehmen, laden sie Michael ein, ebenfalls in den Sonnenkräften ihres Herzens zu wohnen, und die beiden kosmischen Sonnenwesen treffen sich – auf der Erde – zum ersten Mal seit ihrer Trennung wieder.

Wir entdeckten in den fortgeschritteneren Stadien des Michaelischen Yoga, wie in „Michaelisches Yoga“ beschrieben, dass wir, wenn wir auf diese Weise durch den Wesenstausch zwischen spiritualisiertem Denken und imaginativer Wahrnehmung geistig, erkennend und rhythmisch atmen, tatsächlich mit Michael atmen. Mehr noch, wir entdecken, dass es Michael selbst ist, der in und durch uns atmet, und dass die gesamte menschliche Erfahrung dieses ätherischen Atmens Ausdruck eines einzelnen, individualisierten Pulses und Schlages seines unendlichen kosmischen Atmens und Herzschlages ist.

In der Tat beginnt man Michael als den Geist zu erleben, der den ätherischen Atem Christi durch den Kosmos trägt, als Ausdruck seines eigenen geistigen Atmens; man fühlt, dass Michaels lebens- und lichtstrahlender Sonnenleib, die Quelle seines geistigen Atmens, die makrokosmische Quelle und Aktivität ist, die durch unser mikrokosmisches ätherisches Atmen im Michaelischen Yoga atmet und pulsiert. Das von Rudolf Steiner 1919–20 gegebene Michaelische Yoga, kommt hier zu seinem vollen Ausdruck. Rudolf Steiners feurig-michaelischer Ausruf: »Diesen neuen Jogawillen, den müssen wir entwickeln.« nimmt nun eine ganz neue und konkrete Bedeutung an.

Wir erkennen darüber hinaus, dass die Substanz und der Rhythmus der ätherischen Atmungstätigkeit Michaels einem ständigen ätherischen Wesenstausch mit dem kosmischen Leben des ätherischen Christus entspringen; was oben als das ätherische Atmen zwischen der imaginativen Wahrnehmung des ätherischen Christus und unserem spiritualisierten Denken beschrieben wurde, erscheint hier in seinem makrokosmischen Licht und seiner makrokosmischen Bedeutung. Es tritt in Erscheinung als Michaels kosmisches ätherisches Atmen und sein kosmischer pulsierender Herzschlag, die uns zeigen, wie er als ein Botschafter Christi seine erhabenen kosmischen Imaginationen zur Menschheit auf der Erde herabströmen lässt. Wir entdecken, dass es Michaels kosmischer Yoga-Wille ist, der durch sein uns durchströmendes Atmen pulsiert und uns in unserem Ätherleib den Wesenstausch zwischen dem menschlichen Ätherleib und dem Ätherleib des Christus und zwischen Christi »Ich« und dem menschlichen »Ich« verwirklichen lässt. Dann erkennen wir, dass Michael – ohne dass wir uns dieser Tatsache bewusst waren – vom ersten Augenblick an, in dem wir begonnen haben, das intuitive Denken der Philosophie der Freiheit als eine Grundlage des Michaelischen Yoga und des Erkenntnisdramas zu vergeistigen, aktiv an jeder einzelnen Wendung und Phase dieses Prozesses beteiligt war; aber wir konnten seine durch unsere Aktivität hindurch wirkende, sie durch und durch verlebendigende und anregende kosmische Gegenwart und Aktivität noch nicht spüren und sehen.

Jetzt erkennen wir, dass die menschliche Verwirklichung des Michaelischen Yoga die mikrokosmische Verwirklichung seines kosmischen Yoga-Atmens ist, dass unser spirituelles Atmen ein Tropfen oder Samen ist, der sein strahlendes, rhythmisch pulsierendes, lebenspendendes Sonnenlicht enthält. Dies wird zu einer echten Erfahrung. Es wird zur herzinnigst erlebten Quelle kosmisch-menschlicher Intimität, wo ein heiliger Ort der Begegnung zwischen einem Gott und dem einwohnenden Christus-»Ich« geweiht wird.

Seit dem Beginn des Erkenntnisdramas der Wiederkunft haben wir Michaels Kräfte benutzt und ihre wahre kosmische Quelle nicht bemerkt. Doch je weiter die Aufnahme und Individualisierung des Christus-»Ich« fortschreitet, desto mehr leuchtet diese Quelle im imaginativen Bewusstsein auf, und wir fühlen uns veranlasst, zu uns selbst zu sagen: Jetzt nehmen wir bewusst Anteil an Michaels kosmischem Yoga-Willen, seiner spirituellen Aktivität und seinem spirituellen Bewusstsein, denn er ist das Wesen, das sich in Wahrheit in all unser vergeistigtes Denken, Wahrnehmen, Fühlen und Wollen eingliedert und verkörpert, das seine geistigen Atemrhythmen behutsam in unsere ätherische Atmung einfließen und sie gestalten lässt und mit seinem kosmischen Herzschlag den menschlichen Herzschlag impulsiert, wenn wir seinen kosmischen Yoga-Willen umsetzen.

(…)

Wir erleben die innige Verbindung, die Menschen in unserer Zeit mit Michael eingehen können, wenn sie ihre Seelenkräfte durch die Vergeistigung des Denkens spiritualisieren. »Michael ist das aktive Wesen, dasjenige Wesen, das gewissermaßen unseren Atem, unsere Adern, unsere Nerven durchpulst, auf daß wir unser Menschheitliches im kosmischen Zusammenhang erarbeiten, aktiv erwerben.« Dieses »Pulsieren durch unseren Atem, unsere Adern und Nerven« ist keine Metapher, sondern geistige Realität in der ätherischen Welt und im ätherischen Leib. Wir nehmen teil an Michaels eigenem Pulsieren und Atmen, wenn wir sie in unserem vergeistigten Atem, unseren Nerven und Adern erleben. Jetzt tritt die wahre spirituelle Realität ans Licht, welche die Praxis des Michaelischen Yoga durch Die Philosophie der Freiheit belebt und inspiriert. »Das ist es, was gewissermaßen als eine Aufforderung des Michael vor uns steht, daß wir bis in unsere Gedanken hinein aktiv werden, so daß wir uns unsere Weltanschauung durch innerliche Aktivität als Menschen erarbeiten.«

Auf diese Weise ermöglichen wir es Michael, seine kosmische Mission als Vermittler zwischen der Menschheit, dem Christus, der kosmischen Sophia und den Hierarchien zu erfüllen, die er als seine Hauptaufgabe in der heutigen Zeit ansieht. Wir spüren, wie seine starke, bejahende Befriedigung durch die ätherischen Kräfte unseres Denkens und Wahrnehmens, unseres Atmens und unseres Blutkreislaufs pulsiert. Dabei vereinen wir uns bewusst mit dem Gefühl der Erfüllung, das er bei der Ausführung seiner Mission hat, denn »Soll Michael die rechte Botschaft zurückbringen an die Götterwelt, so wird er sagen müssen: Die Menschen haben während meines Zeitalters das, was sie abseits von der göttlich-geistigen Welt an reinen Raumesurteilen ausgebildet haben, in ein Übersinnliches heraufgehoben, und wir können die Menschen wiederum annehmen, denn sie haben ihr Denken, ihr Vorstellen mit unserem Denken, unserem Vorstellen verbunden.« [Vortrag vom 17.12.1922, GA 219, Dornach 1994, S. 100ff. Meine Hervorhebungen.] Dieses intime Begegnen mit Michael wurde Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts möglich. »Vorher konnte der Mensch nur fühlen, wie aus seinem Wesen heraus die Gedanken sich formten; von dem angedeuteten Zeitabschnitt an kann er sich über sein Wesen erheben; er kann den Sinn ins Geistige lenken; da tritt ihm Michael entgegen, und der erweist sich als altverwandt mit allem Gedankenweben.« [Anthroposophische Leitsätze, »Im Anbruch des Michael-Zeitalters«, GA 26, Dornach 1998, S. 62. Meine Hervorhebungen. Die Zeit, auf die sich Rudolf Steiner bezieht, ist das Ende des 19. Jahrhunderts, aber bis zum Ende des 20. Jahrhunderts blieb er mit dieser Erfahrung allein.]

(…)

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts und zunehmend mit jedem Jahr und jedem Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wird »mehr als irgendein anderer Kampf … dieser Kampf in das menschliche Herz gelegt.« Was Rudolf Steiner über das Ende des 19. Jahrhunderts sagte und für das 20. Jahrhundert erhoffte, muss ein Jahrhundert später neu formuliert und auf den neuesten Stand gebracht werden. »Da drinnen ist der Kampf verankert, verankert seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Entscheidend muß dasjenige werden, was Menschenherzen mit dieser Michael-Angelegenheit in der ätherischen Welt im Laufe des 20. Jahrhunderts getan haben«, während auf der Erde das Schlimmste eintrat. »Nach dem Ende dieses 20. Jahrhunderts, wenn das erste Jahrhundert nach dem Ende des Kali Yuga verflossen sein wird und die Menschheit in das Grab aller Zivilisation gefallen ist« – diese Tatsache wurde in aktuellen geistigen Forschungen gut belegt – »werden die Seelen, die an diesem Kampf in der ätherischen Welt im 20. Jahrhundert teilgenommen haben, auf der Erde für die Auferstehung der Menschheit aus diesem Grab aller Zivilisation arbeiten.« Erst dann wird sich unter den völlig veränderten Bedingungen nach der apokalyptischen Menschendämmerung die Hoffnung Rudolf Steiners erfüllen, dass »am Anfange desjenigen Zeitalters [im 21. Jahrhundert], wenn die Seelen der Menschen, die in ihrem Herzen Intelligenz mit Spiritualität verbinden, der Michael-Kampf zugunsten des Michael-Impulses ausgefochten wird.«[Vortrag vom 19.7.1924, GA 240, Dornach 1992, S. 183.]

Nun findet Michael im ätherischen menschlichen Herzen, im einwohnenden »Ich« des Christus seine Wohnstätte, und durch seine Anwesenheit ist seine kosmische Mutter Sophia gegenwärtig; und das einwohnende Wesen Michaels vereinigt sich in unserem Herzen mit dem einwohnenden Wesen Christi. Himmlisch-irdische Erfüllung und Freude werden erlebt, wenn diese Begegnung anhebt, um ganz gewöhnliche irdische Worte zu benutzen, denn Michael und Christus waren voneinander getrennt, nachdem der Christus die Sonne vor dem Mysterium von Golgatha verlassen hat. Christus hat seit Golgatha auf der Erde gelebt, und Michael blieb bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weiter in der Sonne, bis er seinen Abstieg zur Erde begann, um seine Aufgabe in seinem neuen Zeitalter zu erfüllen. Wenn Menschen dem ätherischen Christus begegnen und das Christus-»Ich« durch das Licht der modernen Grals- und Geisteswissenschaft in ihr Herz aufnehmen, laden sie Michael ein, ebenfalls in den Sonnenkräften ihres Herzens zu wohnen, und die beiden kosmischen Sonnenwesen treffen sich – auf der Erde – zum ersten Mal seit ihrer Trennung wieder.

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Die Ur-Phänomene der modernen Christus-Erfahrung

Paulus’ Christus-Erfahrung und die Geburt des christlichen Platonismus

Aus dem Buch:

Die Drei Begegnungen
Christus, Michael, Anthroposophia

Aus dem 1. Kapitel

Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass das Erlebnis des Paulus vor den Toren von Damaskus ein Urbild für die Erfahrung des ätherischen Christus in Seiner Wiederkunft ist, die für immer mehr Menschen seit den 30er- und 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts und in den kommenden 3000 Jahren möglich werden wird. Die meisten Vorträge Rudolf Steiners über die ätherische Wiederkunft sind zusammengefasst in GA 118 und GA 130. [1]

Die Einzigartigkeit von Paulus‘ Erfahrung bestand darin, dass sie drei Ströme in einer völlig neuen spirituellen Synthese vereinte . Erstens empfing Paulus die Gabe der neuen geistigen Fähigkeiten, die es ihm ermöglichten, den ätherischen Christus als ein gegebenes Ereignis zu erfahren. Für die Menschheit beginnen diese Fähigkeiten erst seit 1933 aufzutreten. Zweitens war Paulus umfassend in der griechischen und römischen Denkweise seiner Zeit geschult. Und drittens war er vor dieser Erfahrung auch ein „Eingeweihter der alten Kabbala“. [2] Daher war es seine Pionieraufgabe, diese drei zu einem Strom zu vereinen, spiritualisiert durch den neuen Christus-Impuls. Seine Mission war es, aus den dreien die neue Synthese des christlichen Einweihungsweges zu bilden, unter vollständiger Berücksichtigung der Tatsache, dass nach der Menschwerdung Christi – beginnend mit Platon und Aristoteles – die kosmische Sonnenintelligenz die Hände Michaels verlässt und auf die Erde herabsteigt. Diese Synthese war die originäre geistige Schöpfung des Paulus. Das heißt, die paulinische, bewusst erforschte Christus-Erfahrung ist das erste – und archetypische – Beispiel für die selbstbewusste und freie, aktive wechselseitige Verbindung zwischen der Christus-Erfahrung, dem Denken und dem Einweihungsprinzip, die zusammen eine klare und präzise Christus-Erkenntnis ermöglichen. Die gleiche Synthese muss auch heute erreicht werden, und zwar durch unsere individuelle geistige Tätigkeit, durch die moderne Geisteswissenschaft.

Die Essenz der geistigen Schöpfung des Paulus ist heute noch dieselbe wie vor 2000 Jahren, denn es ist der ätherische Christus, der im Zentrum dieser Schöpfung steht. Unsere Aufgabe ist es, alle Kräfte der Bewusstseinsseele durch die Geisteswissenschaft in die Begegnung mit dem ätherischen Christus einzubringen, um die moderne Christus-Erfahrung zu erforschen, so wie Paulus es mit den Kräften der Verstandes- und Gemütsseele im vierten nachatlantischen Zeitalter getan hat.

Rudolf Steiner charakterisierte die einzigartige Schöpfung des Paulus, die er die “paulinische Methode”‘ nennt, folgendermaßen:

”Der erste, welcher eine Impression hatte von der kosmischen Bedeutung des Christus, war Paulus; Paulus, der wahrnehmen konnte, wie hereingeströmt war die Kraft der Christus-Wesenheit in die Erdenaura. Dasjenige, was dem Paulus für einen bestimmten Punkt der Christus-Erkenntnis aufgegangen war, das kann, wenn wir den Okkultismus unserer Tage vertiefen, für weitere Felder der Christus-Erkenntnis dem Menschen aufgehen. Denn indem das Schauen des Paulus … ausgedehnt wird von dem, was bei Paulus fast nur die Wahrnehmung ist des Jesus von Nazareth, auf das Leben des Christus Jesus, dann wird gewissermaßen die paulinische Methode von einem einzigen Zentrum aus über die ganze große Erscheinung des Christus Jesus-Lebens verbreitet. Indem wir auf diese Weise heute durch eine hingebungsvolle okkulte Forschung in die Lage kommen können, die Paulinische Methode gleichsam allgemein zu machen für die Christus-Erkenntnis, hat sich ein wirklicher Fortschritt in der Erkenntnis des Christus vollzogen.“ [3]

Für diejenigen, die heute danach streben, eine individualisierte „paulinische Methode“ zur Erforschung des modernen Damaskus-Ereignisses zu entwickeln, ist dieser Hinweis von großer Bedeutung, weil er das Damaskus-Ereignis verknüpft mit den grundlegenden Problemen und Aufgaben im Erlangen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse, in der physischen und in der geistigen Welt. Dies wird unmittelbar deutlich, wenn Rudolf Steiner darauf hinweist, dass das erste Problem, auf das Paulus aufgrund seiner Christus-Erfahrung stieß, die Frage nach der wahren Natur des menschlichen Denkens war:

Für diejenigen, die heute danach streben, eine individualisierte „paulinische Methode“ zur Erforschung des modernen Damaskus-Ereignisses zu entwickeln, ist dieser Hinweis von großer Bedeutung, weil er das Damaskus-Ereignis verknüpft mit den grundlegenden Problemen und Aufgaben im Erlangen geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse, in der physischen und in der geistigen Welt. Dies wird unmittelbar deutlich, wenn Rudolf Steiner darauf hinweist, dass das erste Problem, auf das Paulus aufgrund seiner Christus-Erfahrung stieß, die Frage nach der wahren Natur des menschlichen Denkens war:



„So kam Paulus dazu, einzusehen, daß die Menschheitsentwickelung von einem Feinde ergriffen war, und daß dieser Feind der Quell des Irrtums auf der Erde ist. … Nur in einer Welt – so konnte jetzt Paulus empfinden – , in welcher ergriffen wird die menschliche Wesenheit von den ahrimanischen Mächten, kann der Irrtum eintreten, der zum Kreuzestod hat führen können. Und jetzt, als er das begriffen hatte, erkannte er eben erst die Wahrheit des esoterischen Christentums. … Die Aufnahme des Todes in das Leben, das ist das Geheimnis von Golgatha. Vorher hatte man das Leben ohne den Tod gekannt, jetzt lernte man den Tod als einen Bestandteil des Lebens kennen, als ein Erlebnis, welches verstärkt das Leben. … Die Menschheit muß stärker leben, wenn sie durch den Tod durchgehen will und dennoch leben will. Und der Tod bedeutet … den Intellekt … der Intellekt macht uns innerlich kalt, macht uns innerlich tot. Der Intellekt lähmt uns. Wir leben eigentlich nicht, wenn wir den Intellekt entwickeln. Man muß das nur empfinden, daß man ja eigentlich nicht lebt, wenn man denkt, daß man sein Leben ausgießt in tote Verstandesbilder. … Das habe ich versucht darzustellen in meiner Philosophie der Freiheit. Diese Philosophie der Freiheit ist eigentlich eine Moralanschauung, welche eine Anleitung dazu sein will, die toten Gedanken als Moralimpulse zu beleben, zur Auferstehung zu bringen.“[4]

Und weiter:

“Was Paulus meinte mit dem auferstandenen Christus, war, daß der Christus den Tod zu erleben hatte und erlebt hat, daß er aber über den Tod siegte, daß er als Geistig-Lebendiges siegreich mit der Auferstehung aus dem Tode hervorgegangen ist und seither mit der Menschheit weiterlebt für diese Menschheit, die ohne den Christus nur das tote Denken hätte. … Während früher das Denken in alten Zeiten selber noch seinen lebendigen Charakter auf das Erdenleben heruntergetragen hat, kann sich die Erdenseele seit dem dritten, vierten Jahrhundert … im unmittelbaren Anblick des Mysteriums von Golgatha das Denken auferwecken lassen.” [5]

Selbstverständlich verwendet Rudolf Steiner, wenn er von der Philosophie der Freiheit im Zusammenhang mit der ”Paulinischen Methode”, der Epistemologie oder der ”Erkenntnistheorie” spricht, diese Begriffe nicht im gewöhnlichen philosophischen Sinn. Rudolf Steiner und Paulus sind Geisteswissenschaftler, nicht bloße Denker, und deshalb betrachten beide die Spiritualisierung des Denkens als die erste Stufe der wirklichen übersinnlichen empirischen Erfahrung. Die Philosophie der Freiheit ist nicht ein gewöhnliches philosophisches Buch, für das es oft gehalten wird. Es ist genauso empirisch und wissenschaftlich wie jedes andere anthroposophische Buch oder jeder Vortrag Rudolf Steiners, und wenn wir es als ein solches erleben, werden wir durch das Denken erfahren, dass wir an einer lebendigen geistigen Wirklichkeit teilnehmen, und wir werden in der Lage sein, die Mitteilungen aus den höheren Welten nicht nur zu verstehen, sondern auch die Realität dieser Mitteilungen zu erleben, weil wir das wirkliche geistige Leben bereits durch reines und intuitives Denken erfahren haben.

„Das Geheimnis des esoterischen Christentums: die Aufnahme des Todes in das Leben“, welches Paulus‘ bedeutendste Entdeckung vor 2000 Jahren war, ist auch die grundlegende Entdeckung, die in der gegenwärtigen ätherischen Christus-Erfahrung gemacht wird. Die Überwindung der unserem modernen ahrimanischen Intellekt innewohnenden Todeskräfte ist in der Tat der Ausgangspunkt für das Erkenntnisdrama der Wiederkunft, das im 5. Kapitel der Neuen Erfahrung des Übersinnlichen dargestellt wird, wie weiter unten beschrieben. Und die Quelle der Auferstehungskräfte, welche die Überwindung des Todes möglich machen, werden gefunden in der Erscheinung, in den Worten und in den Taten des ätherischen Christus. Daher ist dies auch die Quelle für unsere Suche nach einer „Paulinischen Methode“, um das gegenwärtige Christus-Ereignis in die Geisteswissenschaft zu bringen. Dazu müssen wir, so wie Paulus es tat, unsere Beobachtung auf das Wesen des Christus selbst richten …



Anmerkungen:

[1] Die meisten Vorträge Rudolf Steiners über die ätherische Wiederkunft sind zusammengefasst in GA 118 und GA 130.

[2] Vortrag vom 31. Mai 1909, GA 109/111.

[3] Vortrag vom 27. Mai 1914, GA 152. Meine Hervorhebungen. Das ist die Bedeutung des Erkenntnisdramas der Wiederkunft.

[4] Vortrag vom 2. April 1922, GA 211. Meine Hervorhebungen. Im neunzehnten Jahrhundert hatte der Todesprozess des Denkens eine weitere, gewaltige Beschleunigung erreicht: „Der Sündenfall … hat zuletzt auch den Intellekt beeinflußt; der Intellekt fühlte sich [im neunzehnten Jahrhundert] an den Grenzen der Erkenntnis. Und ob der alte Theologe von der Sünde oder Du Bois-Reymond von den Grenzen des Naturerkennens spricht, ist im Grunde genommen ein und dasselbe, nur in einer etwas andern Form.“ (Vortrag vom 21. Januar 1923, GA 220) Das zweite Mysterium von Golgatha (das im 4. und 5. Kapitel untersucht wird) hat seine Wurzeln in diesem intellektuellen zweiten Sündenfall des Menschen.


[5]Vortrag vom 15. April 1922, GA 211.



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Aus der Arbeit an der Neuauflage von Die neue Erfahrung des Übersinnlichen

Aus der Arbeit an der Neuauflage von Die neue Erfahrung des Übersinnlichen

Die neue Erfahrung des Übersinnlichen
Das anthroposophische Erkenntnisdrama unserer Zeit

Aus dem Vorwort

Von jetzt ab gibt es eine neue Offenbarung des Christus.Wir wollen bereit sein, sie anzuerkennen, wir wollen zu jenem kleinen Kreis gehören, der dazu helfen will, damit sie größer, dauernd werde,wir wollen auf die innere Kraft einer solchen Offenbarung bauen, sodaß sie sich unter der übrigen Menschheit ausbreiten möge, denn diese Erkenntnis wird allmählich allen zuteil werden. Dies ist es, was wir Weisheit nennen, was manche Torheit nennen mögen. Um fest dazustehen, brauchen wir uns nur heute daran zu erinnern, daß diese jetzige Zeit diejenige der zweiten Michael-Offenbarung ist, und auch daran, was von einem der alten Eingeweihten gesagt wurde zur Zeit der ersten Michael-Offenbarung: Was den Menschen oft als Torheit erscheint, ist vor Gott Weisheit.”
Rudolf Steiner, am Ende des Vortrages vom 2. Mai 1913, GA 152

Rudolf Steiner hat wiederholt darauf hingewiesen, dass das größte geistige Ereignis unserer Zeit die Erscheinung des ätherischen Christus ist, die in den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts beginnen wird. Die geistige Wahrnehmung seiner ätherischen Erscheinung wird das Ergebnis des natürlichen Auftretens von neuen, bewussten, übersinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten sein. Das moderne „Damaskus-Erlebnis“ wird, wie das bei Paulus der Fall war, ein natürlich gegebenes Einweihungsgeschehen sein. Die Menschen, die diese Einweihung durchlaufen, „werden keine dokumentarischen Beweise benötigen, um Christus zu erkennen, sondern sie werden ein direktes Wissen haben, wie es heute nur die Eingeweihten besitzen.“ Diese Entwicklung ist eine Folge des inneren Gesetzes, das der spirituellen Entwicklung des menschlichen Bewusstseins zugrunde liegt. Dieses Gesetz besagt, dass „alle Fähigkeiten, die heute nur durch Einweihung erworben werden können, in Zukunft universelle Fähigkeiten der Menschheit sein werden. Diese Verfassung der Seele, dieses Erleben der Seele, wird in der Esoterik die ‚Wiederkunft Christi‘ genannt.“

Seit dem Mysterium von Golgatha lebt der Christus innerhalb der irdischen Sphäre und ist unaufhörlich in ihr tätig. Aber während des größten Teils dieser Periode befand sich die Menschheit noch in der Epoche der Verstandesseele, oder unter deren Nachwirkungen. Ihre Annäherung an den Christus war durch diese Tatsache bedingt und gründete sich hauptsächlich auf die Religionen und mystischen Pfade des Mittelalters. Das Denken, wie auch das selbstbewusste übersinnliche Erleben und Forschen, musste vor einer solchen unmittelbaren Erkenntnis bescheiden zurücktreten, und das geschah im Zeitalter der Verstandesseele aus durchaus notwendigen und berechtigten Gründen. Im Zeitalter der Bewusstseinsseele und besonders seit dem Beginn des neuen Michael-Zeitalters und des neuen Lichtzeitalters kann jedoch das Wesen und Wirken des Christus zum ersten Mal zum Ziel völlig individualisierter menschlicher Erfahrung und Forschung werden. Die anthroposophische Geisteswissenschaft ist genau das: Die frei erworbene menschliche Erkenntnis eines durch und durch Christus-durchdrungenen und verwandelten Universums, einer durch und durch Christus-durchdrungenen Natur und menschlichen Entwicklung und Geschichte. Je mehr sich die Epoche der Bewusstseinsseele entwickelt und je mehr sie aus den intellektuellen Rückständen ihrer unmittelbaren Vergangenheit hervortritt, desto mehr wird diese Seele in ihrer wahren Natur erkannt. Und ihre wahre Natur ist in der Tat bereits hochspirituell. Spirituell aber heißt souverän, schöpferisch und aktiv, innerlich entflammt vom Feuer der Liebe und der Begeisterung für die Geheimnisse der Welt und des Menschen, und vollständig durchstrahlt und durchdrungen von den Kräften des klaren, präzisen und lebendigen Denkens und der Imagination. Sie erlebt jegliche Passivität, Gegebenheit und Unklarheit nur als Widerstand, auf dem sie ihre eigenständigen kognitiven und moralischen Kräfte entfalten und stärken kann. Diese Eigenschaften der Bewusstseinsseele sind es, wenn sie wirklich entwickelt sind, die sie dazu befähigen, sich mit den neuen, sich natürlich entwickelnden Fähigkeiten der übersinnlichen Wahrnehmung auseinanderzusetzen, die das moderne Christus-Erlebnis als natürliches Einweihungsereignis herbeiführen, weil sie in diesem Ereignis eine unendliche Quelle von Möglichkeiten für die zukünftige Stärkung und Spiritualisierung der ihr innewohnenden Geisteskräfte findet.

Es ist daher die Natur der einzigartigen geistigen Entwicklung der menschlichen Seele an der Schwelle des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts, die nicht nur den Inhalt des vorliegenden Buches bestimmt, sondern vor allem auch seine Form. Wir gehen einerseits von einer gegebenen übersinnlichen Christus-Erfahrung aus; dann aber machen wir diese zum Gegenstand der geisteswissenschaftlichen Forschung. Wir verweben also das Gegebene und das Nichtgegebene, die exoterische und die esoterische Seite der modernen Christus-Erfahrung miteinander. Rudolf Steiner hat, wie oben erwähnt, dieses Erlebnis als ein natürlich gegebenes Ereignis charakterisiert, durch das der Mensch eine direkte Erkenntnis des Christus haben wird, die früher nur der Eingeweihte erlangen konnte.
Das wird einem solchen Menschen neue geistige Fähigkeiten und Möglichkeiten geben, die er und sie auf verschiedene Aspekte des Lebens anwenden kann. Die Aufgabe der Geisteswissenschaft besteht darin, diese gegebenen Fähigkeiten auf die Erforschung des Wesens anzuwenden, welches sie der Menschheit anbietet: auf den ätherischen Christus Selbst. So ist es die Aufgabe der Geisteswissenschaft, diese gegebene Einweihungstatsache in eine anthroposophische Einweihungswissenschaft zu verwandeln, so wie sie die sinnlich wahrnehmbare Erscheinung der Pflanze in die geisteswissenschaftliche Erforschung des Seins und Werdens der Pflanze verwandelt.

Aus einem anthroposophischen, geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt ist jede Erfahrung, sei sie sinnlich oder übersinnlich, eine gegebene und daher als solche eine äußere Tatsache. Solange sie nicht von den aktiven und selbstständigen Denk- und Vorstellungskräften der Bewusstseinsseele gründlich durchdrungen und umgestaltet wird, bleibt sie ein persönliches, subjektives Ereignis, das ungeachtet seines persönlichen Wertes in dieser Form nicht zu einem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung werden kann. Für die Geisteswissenschaft muss daher ein solches Erlebnis zunächst zum Gegenstand anthroposophischer Forschung werden, wie sie in diesem Buch beschrieben wird.

Das bedeutet, dass wir durch die Geisteswissenschaft eine wechselseitige Verbindung errichten können mit der gegebenen Christuserfahrung und den geistigen Fähigkeiten, die sie in der menschlichen Seele erweckt. Wie wir weiter unten zeigen werden, verstärken sich die den ätherischen Christus erfassenden, von Ihm gegebenen neuen Fähigkeiten und die spirituelle Tätigkeit der Geisteswissenschaft gegenseitig, weil beide aus der gleichen Quelle stammen. Das eine ist ein Gnadengeschenk, das gemäß dem Karma gegeben wird, das andere ist eine voll bewusste und gewollte geistige Tätigkeit, die von unserer gegenwärtigen Freiheit abhängt. Das eine bringt seine spezifischen Fähigkeiten und Kräfte in das andere ein und wird seinerseits durch das andere bereichert, vertieft und gestärkt. Wir vergeistigen die bewusste Tätigkeit der Geisteswissenschaft durch die Gabe der Christus-Erfahrung und die von ihr angebotenen geistigen Fähigkeiten, und wir erforschen die Christus-Erfahrung mit den Mitteln der erneuerten und vergeistigten Geisteswissenschaft. Die moderne Christus-Erfahrung und die neuen geistigen Fähigkeiten, die sie wahrnehmen, und die bewusste geisteswissenschaftliche Tätigkeit verstärken sich gegenseitig. Die beiden Ströme wachsen gemeinsam immer inniger zusammen. Der Christus erinnert uns daran, dass Rudolf Steiner die Geisteswissenschaft ursprünglich aus der direkten Begegnung und Zusammenarbeit mit dem Christus, mit Michael und mit der Anthroposophia in den geistigen Welten entwickelt hat. Wenn wir die von Christus gegebenen Kräfte nutzen, um die Geisteswissenschaft auf der Erde zu spiritualisieren, dann tun wir das mit den Kräften, mit denen Rudolf Steiner zu Beginn des letzten Jahrhunderts die Geisteswissenschaft geschaffen hat. Aber das moderne Christus-Erlebnis verbindet uns mit der Quelle des gegenwärtigen Michael-Stroms und mit dem realen Wesen der Anthroposophie in der ätherischen Welt. Und die Aufgabe unserer Arbeit war es, im Laufe der Jahre die alte Anthroposophie mithilfe der neuen Anthroposophie direkt an ihrer gegenwärtig aktiven geistigen Quelle umzuwandeln, bis die beiden immer mehr zu einem irdisch-geistigen Strom wurden. Deshalb kann man sagen, dass die gegenseitige Überkreuzung, Befruchtung und Umwandlung zwischen irdischer und übersinnlicher Anthroposophie, das Thema dieses Buches ist. Und die Mitte, in der sich alte und neue Anthroposophie treffen, ist das moderne Christus-Erlebnis. Durch das moderne Christus-Erlebnis wird die irdische Anthroposophie fortwährend auferweckt, erneuert und verjüngt und vereinigt sich mit ihrem eigentlichen geistigen Wesen in der ätherischen Welt, und gleichzeitig wird das Christus-Erlebnis immer mehr bewusst und erhellt durch die spirituellen Erkenntnisse der Geisteswissenschaft auf der Erde.

Dieses Buch versucht, zwei Fragen zu beantworten, die sich aus der modernen Christus-Erfahrung ergeben.

Erstens: Was ist das Wesen der modernen Christuserfahrung?
Und zweitens, welche geisteswissenschaftliche Forschungsmethode sollte entwickelt werden, um sie zu erforschen?

Im Vorwort skizzieren wir unsere Antwort auf beide Fragen.
Das moderne Christus-Erlebnis ist das zentrale Ereignis in der gegenwärtigen und zukünftigen spirituellen Entwicklung der Menschheit, das in der Geisteswissenschaft als ätherische Wiederkunft bezeichnet wird, die 1933 begann und sich in den nächsten 3000 Jahren fortsetzen wird. Die esoterische Bedeutung dieses Ereignisses ist nach Rudolf Steiner die Gabe einer Ich-Kopie des Christus und deren Empfang durch das freie menschliche „Ich“.

 

Die Begegnung mit dem Ätherischen Christus

Der erste wichtige Aspekt der Begegnung mit dem ätherischen Christus in der ätherischen Welt ist, dass sie ein Gnadengeschenk ist, da sie durch den Christus initiiert und gegeben wird. Rudolf Steiner betont, dass zwischen dieser Begegnung und der Art und Weise, wie ein Eingeweihter den Christus in der geistigen Welt wahrnimmt, ein „ungeheurer Unterschied“ besteht:

Es ist ein großer Unterschied zwischen dem, was die geschulten Hellseher erleben, und dem, was hier geschildert wird, was naturgemäß erlebt wird. Der geschulte Hellseher erlebt den Christus seit undenklichen Zeiten durch gewisse Übungen. Auf dem physischen Plan, wenn ich da einem Menschen begegne, so habe ich ihn vor mir; hellseherisch kann ich ihn wahrnehmen an ganz anderen Orten, da trete ich ihm nicht unmittelbar gegenüber. Hellseherisch wahrnehmen den Christus, ist immer möglich gewesen. Aber ihm zu begegnen, weil Er jetzt anders zur Menschheit steht, nämlich so, daß er einem von der Ätherwelt aus hilft, das ist etwas, was – außer uns – eine von unserer hellseherischen Entwickelung unabhängige Tatsache ist. Vom zwanzigsten Jahrhundert an, in den nächsten dreitausend Jahren werden gewisse Menschen ihm begegnen können, ihm objektiv als ätherischer Gestalt dann begegnen. Das ist etwas anderes, als wenn ein Wesen durch innere Entwickelung bis zu seinem Anblick hinaufsteigt.”
Vortrag vom 17.9.1911, GA 130 

Diese Begegnung ist daher eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht, und so wie wir auch erleben können, wenn wir einem anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht begegnen, wird durch das Gesicht das ganze Wesen des anderen offenbart und erfahren. Und in der Begegnung von Angesicht zu Angesicht mit dem Christus wird ein höchst heiliges Ereignis erlebt, bei dem sich das menschliche „Ich“ und das Christus-„Ich“ gegenüberstehen und das erleben, was zwischen ihnen geschieht. Was bei der gewöhnlichen menschlichen Begegnung meist unbewusst bleibt, wird bei der ätherischen Begegnung mit dem ätherischen Christus voll bewusst. Natürlich hat diese Begegnung viele, wirklich unendlich viele Aspekte, die man beschreiben könnte. Aber wenn wir nach dem Ur-Phänomen des modernen Christus-Erlebnisses suchen – und das ist die Aufgabe des Erkenntnisdramas der Wiederkunft -, dann müssen wir das, was in der Begegnung geschieht, folgendermaßen beschreiben.

 

Das Geschenk der Ich-Kopie des Christus

Während der Begegnung erkennen wir, dass der Christus uns ein gnadenvolles Geschenk macht, die Keimkraft und das Wesen Seines eigenen Selbst. Das Mysterienereignis, das sich zwischen dem Christus-Selbst und dem menschlichen Selbst in der Begegnung von Angesicht zu Angesicht abspielt, kann nur durch Rudolf Steiners Untersuchungen dieses Ereignisses ins volle Licht des spirituellen Bewusstseins und der spirituellen Erkenntnis gebracht werden. Und der Grund dafür, dass die Geisteswissenschaft die Quelle des Lichtes ist, welches diese Begegnung mit dem klarsten und innigsten Licht der geistigen Erkenntnis erhellen kann, ist die Tatsache, dass das ursprüngliche Licht der Geisteswissenschaft durch Rudolf Steiners Christus-Erlebnis geschaffen wurde. Wahre Anthroposophie ist eine Gabe des Christus, und das Licht, das den Weg zur Christus-Erkenntnis bereitet, ist das Licht Seiner Weisheit, die Sophia des Christus. Wenn Seine Ich-Gabe individualisiert wird – und das Ereignis des Geschenks ist sein Nachvollzug im freien menschlichen Ich -, dann gebiert der Mensch selbst das Wesen der Anthroposophia, das Wesen unseres wahren Menschseins.

Über dieses Ereignis sagte Rudolf Steiner, dass diejenigen, die es erleben, reif sein werden “im Anblick jener heiligen Schale das Mysterium von dem Christus-Ich, von dem ewigen Ich, zu dem jedes Menschen-Ich werden kann, kennenzulernen” … Sie können “das Christus-Ich im Anblick des Heiligen Gral zu empfangen.” … “Dann aber, wenn die Menschen immer mehr vorbereitet sein werden zum Empfang des Christus-Ich, dann wird sich das Christus-Ich immer mehr in die Seelen der Menschen ergießen. Sie werden dann sich hinaufentwickeln dahin, wo ihr großes Vorbild, der Christus Jesus, stand.”
Vortrag vom 11. April 1909, GA 109

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Wie das Buch „Von Seelenrätseln“ mein Leben veränderte

Wie das Buch Von Seelenrätseln mein Leben veränderte

Auszug aus dem Buch:
Die drei Begegnungen 
Christus, Michael und Anthroposophia

Aus Kapitel 3: Der platonisch-aristotelische Wesenstausch Ende des 20. Jahrhunderts

Ende meiner 20er- und Anfang meiner 30er-Jahre wurde dies zu einer existenziellen Situation, in der „Erkenntnis“ auf der ätherischen Seite als lebensspendend erlebt wurde, weil sie mich mit der Quelle des Lebens verband, aber auf der irdischen Seite zugleich als voller Rätsel und Hindernisse. Ich war in einer Position, in der ich mir sagen konnte: Während meiner 20er-Jahre hat sich die Kluft zwischen dem Erleben des ätherischen Christus und dem spiritualisierten Denken von oben nach unten in der Tat beträchtlich verringert, und der Brückenbau schritt erfolgreich voran. Aber das entscheidende Problem der Spiritualisierung des gewöhnlichen Bewusstseins in der physischen Welt blieb ungelöst, und die Brücke konnte nur zur Hälfte fertiggestellt werden. Während es mir relativ leicht fiel, mein imaginatives Erkennen mit dem reinen Denken zu vereinen, konnte ich keinen Weg finden, die gehirngebundenen Kräfte des physischen Erkennens, in denen das irdische Selbstbewusstsein überhaupt erst geschaffen wird, zu spiritualisieren. Und das erlaubte mir nicht, den Teil der Brücke zu bauen, der auch von unten nach oben führen muss, vom physischen Bewusstsein zum imaginativen Bewusstsein. Ich konnte das reine Denken direkt in meinem Ätherleib erleben, unter Umgehung der gewöhnlichen physischen Erkenntnis, während ich große Schwierigkeiten hatte (zum Beispiel in meinem naturwissenschaftlichen Studium 1976-1979), formales intellektuelles Denken zu bewältigen und mich an die konkreten isolierten Details von Sinneswahrnehmungen zu erinnern. Es war für mich entsetzlich schwer, grundlegende Schulaufgaben der elementaren Mathematik und Physik zu lösen, die meine Kameraden ohne jede Anstrengung bewältigten, oder die Ergebnisse der Experimente im Labor im physischen Gedächtnis zu verankern und sie mit klaren begrifflichen Umrissen und Abgrenzungen zu erfassen. Andererseits aber erfasste ich intuitiv die wesentlichen Ideen jeder wissenschaftlichen Disziplin, für die sich meine Kameraden überhaupt nicht interessierten. Dass ich in jedem Augenblick mein spiritualisiertes Denken entzünden und mit meiner imaginativen Erkenntnis vereinen konnte, war dem Einströmen der ätherischen Kräfte aus der gegebenen Christus-Erfahrung in der ätherischen Welt zu verdanken. Nun suchte ich aber nach einem Weg, die entgegengesetzte Kraft zu entwickeln, die es mir erlauben würde, mich richtig in das physische Sinnes- und Nervensystem zu inkarnieren und es zu vergeistigen. Aber ich konnte zu diesem Zweck nicht einfach diesen ätherischen Strom in das Gehirn übergehen lassen. Zwischen dem ätherischen Erkennen und dem mit ihm verbundenen spiritualisierten Denken und dem physischen Gehirn gab es einen unüberbrückbaren Abgrund. Auch wenn dies paradox erscheinen muss, so ist es doch eine Tatsache, dass ich zunächst Hilfe brauchte, um erstens zu einer gewöhnlichen intellektuellen und sinnesmäßigen Erkenntnis zu gelangen, um zweitens diese dann zu vergeistigen. Natürlich, idealer Weise, war mein Vorbild die Verwirklichung der paulinischen Methode, „den Tod in das Leben aufzunehmen“, die ich als die Essenz der modernen Christus-Erfahrung erlebte. Das war keine abstrakte Formulierung oder Idee, sondern ein tatsächliches Lebensrätsel und eine existenzielle Bewährungsprobe. Aber ich fand nicht den Weg, die Kräfte zu erzeugen, mit denen ich den Kräften des physischen Gehirns entgegentreten und sie umwandeln konnte – den Kräften, durch die Ahriman das moderne Denken und die moderne Sinneswahrnehmung kontrolliert.

Ich erkannte, dass mein intuitives Denken ständig „von oben“ verlebendigt und im Ätherleib erfahren wurde, ohne dass es eine vollständig bewusste Inkarnation im Nervensinnessystem durchlief und ohne eine bewusste Konfrontation mit den Todeskräften, die das moderne Bewusstsein kontrollieren. Mit anderen Worten: Das spiritualisierte Denken, das ich benutzte, um meine imaginative Wahrnehmung zur voll bewussten übersinnlichen Erkenntnis zu bringen, floss nicht von der ätherischen in die physische Welt; es blieb im ätherischen Leib in der Ätherwelt aktiv; und ich konnte meine imaginativen Fähigkeiten nicht dazu bringen, das physische Gehirn zu durchdringen und dessen intellektuellen Kräfte von innen heraus zu verwandeln. Ich wusste, dass ich auf irgendeine Weise freiwillig einige dieser ätherischen Kräfte und einen Teil der bewusst erworbenen imaginativen Fähigkeiten „de-spiritualisieren“, „devitalisieren“, „herabstufen“ und in der Tat auch töten musste. Und ich wusste, ich würde die Kräfte erzeugen müssen, die es mir erlauben würden, bewusst in das physische Gehirn und die physischen Sinne und das auf ihnen basierende gewöhnliche Bewusstsein einzutreten und sie von innen nach oben zu spiritualisieren.

Dies ist zu unterscheiden von der Fähigkeit, von oben in den Ätherleib hineinzuwirken, denn auf diese Weise gelangt man nur so weit hinunter, dass man die ätherischen Korrelate der geistigen Erfahrungen, die man erforscht, in den Ätherleib einprägt; aber man kann den ahrimanischen Kräften im physischen Gehirn, die das moderne Denken im physischen Leib und in der Welt beherrschen, nicht von oben entgegentreten und sie überwinden.

Das Problem, dem ich mich im zweiten Teil meines ersten Lebensabschnitts, beginnend mit meinen 30er-Jahren, gegenübergestellt sah, war also nicht mehr, wie ich das spiritualisierte Denken mit der imaginativen Erkenntnis verbinden konnte, sondern wie ich die imaginativen Kräfte herabbringen und so weit verdichten konnte, dass sie zu einer Erkenntniskraft innerhalb des physischen Körpers wurden. Es bedurfte einer spezifisch geeigneten Denkmethode, um eine so intensive geistige Kraft zu entwickeln, die in der Lage ist, das gegebene Imaginationssvermögen so zu de-spiritualisieren und zu verdichten, dass es – als radikal umgewandelte spirituelle Kraft – in das physische Gehirn eindringen kann. Was diesen schwierigen und tiefsten Abgrund anbelangte, so verblieb ich in meiner gespaltenen Seelen- und Lebenssituation, ohne die Brückenbauarbeit wesentlich weiter vorantreiben zu können.

Das änderte sich, nachdem ich im Lichte dieser Situation wieder Rudolf Steiners Buch Von Seelenrätseln aus dem Schlüsseljahr 1917 las, das er dem damals vor kurzem verstorbenen Franz Brentano gewidmet hatte, dem ausgezeichneten Denker und Kommentator des Aristoteles. Von Seelenrätseln fügte etwas Neues hinzu, das ich in dem, was Rudolf Steiner bis 1917 schrieb und sagte, nicht hatte finden können.

Bei meinem wiederholten Vertiefen in das Buch Von Seelenrätseln erlebte ich zum ersten Mal eine Ahnung einer neuen Erkenntniskraft, einer aktiven, viel intensiveren und durchdringenderen Kraft. Als ich das Buch mit den Kräften der Verstandesseele las, erlebte ich erneut eine innere Erleuchtung, wie ich sie 14 Jahre zuvor beim ersten Lesen der Philosophie der Freiheit erlebt hatte. Aber die Bedeutung und Richtung der beiden Erleuchtungen war eine genau entgegengesetzte. Beim Lesen der Philosophie der Freiheit erlebte ich, dass ich durch meine freie geistige Tätigkeit dasselbe ätherische Licht hervorbringe, das ich in der ätherischen Welt erlebt habe und das den ätherischen Christus beleuchtete. Bei der Lektüre des Buches Von Seelenrätseln hingegen wurde die Erleuchtung aus der entgegengesetzten Richtung erlebt. Sie wurde als „Verdichtung des Lichtes“ erlebt, gefolgt von einer gewissen Verdunkelung seiner astralen und ätherischen Ausstrahlung. Ich erkannte, dass ich mit Rudolf Steiners neuen Kräften von 1917 beginnen konnte, einen Teil der ätherischen und imaginativen Erfahrungen, Kräfte und Fähigkeiten zu verdichten, zu devitalisieren, zu ent-spiritualisieren und sie bewusst zu ‚töten‘ und sie in dieser ent-spiritualisierten Form bis hin zum physischen Gehirn und zum gewöhnlichen Bewusstsein zu bringen. Ich spürte, dass ich durch diese neue Erkenntniskraft zum ersten Mal in der Lage sein würde, in das tote intellektuelle Denken und die Bildung von gehirngebundenen Verstandesbildern, Vorstellungen und Begriffen einzutreten. Nachdem man sich in der ätherisch-physischen Grenze des irdischen Bewusstseins gut gegründet hatte, konnte man einen weiteren Schritt tun. Man konnte das Ätherische gänzlich loslassen und in das physische Gehirn so eintreten, gewissermaßen nackt und alleine, und sich mit seinen Todeskräften von Angesicht zu Angesicht konfrontieren, wie sie den ätherischen Leib in jedem Akt physischen Denkens und Wahrnehmens aufsaugen und zerstören. Und dann, wenn diese Konfrontation erfolgreich ist, könnte man sich sozusagen „umdrehen“ und diese todbringenden Kräfte spiritualisieren; man wäre in der Lage – so sagte ich mir bei der Lektüre des Buches Von Seelenrätseln -, sie wieder auferstehen zu lassen und sie aus dem Grab des Gehirns „aufwärts“ arbeiten zu lassen zum Ätherleib und zur Welt …

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Die Anthroposophie muss auf völlig neuen Fundamenten wieder aufgebaut werden

Die Anthroposophie muss auf völlig neuen Fundamenten wieder aufgebaut werden

Nichts von der alten Anthroposophie, nicht einmal das kleinste Element und der kleinste Impuls dürfen verloren gehen; alles, absolut alles, was Rudolf Steiner je geschrieben, gesagt und getan hat, muss im 21. Jahrhundert durch den neuen Michael-Christus-Impuls zu neuem Leben erweckt werden, bevor er und der neue Michael-Impuls wieder inkarniert werden können.

Aus den gegenwärtigen Vorbereitungen der Schule für Geisteswissenschaft auf die kommenden drei Ereignisse, die sich vor einem Jahrhundert ereigneten: Der Brand des ersten Goetheanums an Sylvester 1922, die Weihnachtstagung, Weihnachten 1923-24, und der Tod Rudolf Steiners am 31. März 1925.

Mit den Vorbereitungen auf das erste Ereignis von vor 100 Jahren– den Brand des ersten Goetheanum, Sylvester 1922-2022 –streben wir danach, sein Feuer in unseren Herzen so stark wie möglich zu entfachen. Durch das Entzünden und die Pflege dieses Feuers führt das College die Schule von Weihnachten 2021 bis zum jährlichen globalen Schultreffen an Sylvester 2022. Das nächste globale Schultreffen, Ostern 2022 in Deutschland, fällt in die Mitte dieses Jahres, und bei diesem Treffen soll das Feuer des ersten Goetheanums schon so hell wie möglich in unseren Herzen brennen, um das ganze Jahr mit seinem spirituellen Segen und seiner Gnade zu erleuchten.

In diesem Zusammenhang streben wir danach, das Gefühl und die Stimmung heiliger und freudiger Hingabe so zu vertiefen, während wir das Feueropfer des Goetheanum feiern, bis dieses geheimnisvolle Wesen zum Vorschein kommt, das Rudolf Steiner den ‚Geist des Goetheanums‘ nannte und dessen vergeistigtes Wesen die Grundlage der Weihnachtstagung bildete. Für die Arbeit in der Schule für Geisteswissenschaft ist es wichtig zu erkennen, dass dies der Geist ist, der die Fortsetzung der anthroposophischen Arbeit Rudolf Steiners trägt, nicht nur von der ersten Form, die er der Anthroposophie 1902-1922 gab, bis hin zum Keim ihrer zukünftigen Form, die 1924 gegeben wurde, sondern auch in der geistigen Welt, nachdem sie mit Rudolf Steiner 1925 die Erde verlassen hat. Deshalb ist ihre kontinuierliche Spiritualisierung heute die Voraussetzung für die Auferstehung der alten Anthroposophie des 20. Jahrhunderts als neue Anthroposophie des 21. Jahrhunderts. Vertiefen wir uns in dieses Geheimnis, so können wir ein lebendiges Gefühl diesem Wesen gegenüber entwickeln und erfahren, dass es der geistige Leib ist, in den die 1924 Anthroposophia für so kurze Zeit auf Erden verkörpert war und in dem sie seitdem weiter in geistiger Form verkörpert ist. Das ist einer der wichtigen Aspekte, die wir im Herzen tragen sollten als Vorbereitung auf die Transformation des Weihnachtstagungsimpulses im Jahr 2023-24.

Im zweiten Vortrag von Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit wird die Auferstehung der alten Anthroposophie als wesentliche Grundlage der zukünftigen Anthroposophie unter verschiedenen Gesichtspunkten beschrieben. Der folgende Abschnitt stammt aus dem Kapitel:

Die Auferstehung der Anthroposophie im einundzwanzigsten Jahrhundert: Anthroposophie muss auf völlig neuen Grundlagen neu begründet werden

Wenn wir diese alte Anthroposophie, die Rudolf Steiner geschaffen hat, im 21. Jahrhundert in unsere Ätherherzen aufnehmen, müssen wir vor allem die Wurzel und den Stamm des ursprünglichen esoterischen Schulimpulses, der von 1902 bis 1914 gegeben wurde, und die Kräfte, die in den Bau des ersten Goetheanums investiert wurden, wieder aufleben lassen. Die alte esoterische Schule kann nur wiederbelebt werden, wenn wir die grundlegendsten Elemente des anthroposophischen spirituellen Weges, die in Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? und Die Geheimwissenschaft im Umriss gegeben sind, verwandeln und sie ständig durch die Praxis der Philosophie der Freiheit durchdringen und transformieren. Diese Praxis kann in uns die Kräfte wecken, die für die Auferstehung des Geistes des ersten Goetheanums und aller Zweige und Töchter der Anthroposophie, die in den letzten Lebensjahren Rudolf Steiners geboren wurden, notwendig sind. Nichts von der alten Anthroposophie, nicht einmal das kleinste Element und der kleinste Impuls dürfen verloren gehen; alles, absolut alles, was Rudolf Steiner je geschrieben, gesagt und getan hat, muss im 21. Jahrhundert durch den neuen Michael-Christus-Impuls zu neuem Leben erweckt werden, bevor er und der neue Michael-Impuls wieder inkarniert werden können.

Die geistigen Kräfte, die das erste Goetheanum gebaut haben, bestehen aus zwei innerlich verwandten Arten, und beide müssen gemeinsam wiederbelebt werden. Zunächst war der Goetheanum-Bau das Gesamtkunstwerk aller künstlerischen anthroposophischen Impulse, der plastischen und musikalischen Künste, mit der Eurythmie als ihrer krönenden Blüte, in dessen Mitte die wunderbare spirituelle Kuppel der vier Mysteriendramen sich wölbte. Es handelt sich um ein weites und vielfältiges Feld der Auferstehungsarbeit, die nur dann ehrlich durchgeführt werden kann, wenn die grundlegendsten künstlerischen Elemente belebt werden, indem sie mit dem lebendigen und schöpferischen Geist des neuen Wesens der Anthroposophie in der Gegenwart verbunden werden. Der zweite Aspekt des Goetheanum-Impulses findet sich in der Art und Weise, wie sich eine ganze Gemeinschaft dem Bau ihres physischen Gebäudes widmete. Diese Kräfte müssen heute in unserer Gemeinschaft wiederbelebt werden, um zu den neuen Kräften der gegenwärtigen und zukünftigen anthroposophischen Gemeinschaftsbildung zu werden, die das neue »ätherische Goetheanum«, das Herz der wirklichen Michael-Schule und -Bewegung auf der Erde, schaffen werden.

Wenn wir dieses lang anhaltende, geduldige, schrittweise Auferstehungswerk unternehmen, das in unseren Ätherherzen alle grundlegenden Kräfte und Schöpfungen der alten Anthroposophie verwandelt und belebt, dann können wir weitermachen, indem wir alle Gründungsakte Rudolf Steiners, die er in den letzten Jahren seines Lebens vollbracht hat, wieder aufleben lassen. Darunter fallen zunächst drei wesentliche Impulse: die Gründung der Waldorfpädagogik, der Christengemeinschaft und des esoterischen Jugendkreises.35 Alle drei wurden 1925 vom lebendigen Wesen der Anthroposophia abgeschnitten und setzten ihr physisches Leben auf der Erde fort, getrennt vom realen übersinnlichen Strom Michaels und dem ätherischen Christus-Impuls in der ätherischen Welt. Diese Gründungsimpulse führten direkt zur Weihnachtstagung 1923 / 24, aber heute hängt ihre Auferstehung von der Auferstehung und dem neuen Impuls der Weihnachtstagung ab, deren Samen im Jahr 2023 / 24 gebildet werden muss. Weiter müssen wir in gleicher Weise – ausgehend vom neuen ganzen Wesen der Anthroposophie bis in ihre Zweige – in unseren Herzen die Essenz der medizinischen, landwirtschaftlichen und heilpädagogischen Impulse wieder aufleben lassen, die in sich eine gewisse Einheit bilden und die anderen verstärken und intensivieren. Auf diese Weise können wir aus ihren alten Formen potenzierte Extrakte herstellen und ihre lebenden Essenzen zum neuen Altar tragen, auf dem allein das Feuer brennt, das »alles neu macht«. Wir müssen bereit sein, sie wieder aufleben zu lassen in unseren Ätherherzen, die Weihnachtstagung selbst, an ihrem hundertsten Jahrestag 2023 / 24.

Dies kann aber nur geschehen, wenn wir – basierend auf der in die Auferstehung des ganzen alten Wesens der Anthroposophie investierten Arbeit – erleben, wie Rudolf Steiner alle seine Gründungsakte und Impulse auf den Geistesaltar brachte, dessen Feuer das erste Goetheanum verzehrte und vergeistigte. Den wahren Sinn der Weihnachtstagung werden wir nur erfahren, wenn wir zunächst dieses heilige Opferfeuer des ersten Goetheanums hier und jetzt in unseren Ätherherzen brennen lassen. Durch dieses Feuer wurde das erste Goetheanum völlig vergeistigt und verwandelt und mit ihm das ganze Wesen der alten Anthroposophie. Alles, was Rudolf Steiner sein ganzes Leben lang gegeben und geschaffen hat, angefangen mit seinem in der Philosophie der Freiheit beschriebenen individualisierten Freiheits- und Liebesimpuls, wurde verbrannt und erhob sich wieder wie der Phönix aus der Asche des vernichteten ersten Goetheanums.37 Der Impuls, der der Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft und der esoterischen Schule Michaels zugrunde lag, war, wie er selbst sagte, ein Ergebnis der vergeistigten Kräfte des ersten Goetheanums, die er auf eine ganz neue Art und Weise auf die Erde bringen konnte. Er betonte, dass von diesem Moment an – einem Moment, der sich physisch als so kurz zeigte – die Anthroposophie als Ganzes wieder auf völlig neuen Grundlagen gegründet worden sei. Sein höchster Akt der Freiheit und Liebe, der sich in der Weihnachtstagung verwirklichte, war der wahre Grundstein der Liebe, der als Keim die vergeistigten Kräfte der alten Anthroposophie enthielt, sowie der völlig neue Impuls, der damals zum ersten Mal in der Entwicklung der Menschheit einsetzte:

“So, meine lieben Freunde, traget hinaus Eure warmen Herzen, in denen Ihr hier eingegründet habt den Grundstein für die Anthroposophische Gesellschaft, traget hinaus diese warmen Herzen zu kräftigem, heilkräftigem Wirken in die Welt. Und Hilfe wird Euch werden, daß erleuchtet Eure Häupter dasjenige, was Ihr jetzt alle wollt zielvoll führen können. Das wollen wir uns heute in aller Kraft vornehmen. Wir werden doch sehen: Wenn wir uns dessen würdig erzeigen, wird ein guter Stern walten über demjenigen, was von hier aus gewollt wird. Folget, meine lieben Freunde, diesem guten Stern. Wir wollen sehen, wohin uns die Götter durch das Licht dieses Sternes führen werden.

Göttliches Licht,
Christus-Sonne,
Erwärme
Unsere Herzen,
Erleuchte
Unsere Häupter!”

(Rudolf Steiner, Vortrag vom 1.1.1924, GA233)

Wenn wir uns also bemühen, den Impuls der Weihnachtstagung wieder auferstehen zu lassen und die Michael-Schule und die Bewegung der Geisteswissenschaft »auf völlig neuen Fundamenten wieder zu gründen«, müssen wir zunächst in unserer bescheidenen Art und Weise das tun, was Rudolf Steiner selbst getan hat. In der Asche sowohl des ersten Goetheanums als auch der zerfallenden alten Anthroposophischen Gesellschaft stehend, hat er das ganze Wesen der alten Anthroposophie aus der Asche ihrer verbrannten Wurzeln und Zweige, Blüten, Früchte und Samen wieder auferstehen lassen und in diese Asche den ganz neuen Samen des neuen kosmischen Jahres gepflanzt, den Samen des neuen Impulses Michaels in diesem Zeitalter. Wir müssen es jetzt in unseren eigenen Ätherherzen erreichen, aber dazu müssen wir auch etwas wirklich Neues hinzufügen: die Auferstehung dieses tief vergrabenen und vergessenen Auferstehungsimpulses selbst, die Auferstehung der Weihnachtstagung selbst.

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Wie kommt der ätherische Christus in die Anthroposophie?

Auszüge aus dem Buch:

Die drei Begegnungen 
Christus, Michael und Anthroposophia

Auftakt zur Neuauflage von Die neue Erfahrung des Übersinnlichen

Aus dem Vorwort:

Wie Rudolf Steiner sagte, war die ungelöste Frage, mit der Thomas von Aquin starb: „Wie kommt der Christus in das menschliche Denken? Wie wird das menschliche Denken durchchristet?…“ Diese Frage bleibt in der Weltgeschichte stehen, als Thomas von Aquin im Jahre 1274 stirbt. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte er nur zu dieser Frage vordringen, die nun mit aller im Herzen empfundenen Innerlichkeit in der europäischen Geisteskultur steht. (Vortrag vom 23. Mai 1920, GA 74).

Derselben Frage stellte sich ein Jahrhundert früher auch Alanus ab Insulis, der führende Platoniker von Chartres, mit „aller im Herzen empfundenen Innerlichkeit“, wie aus seinem Buch Anticlaudianus und dem darin enthaltenen „Rhythmus über die Inkarnation Christi“ hervorgeht. (Aus dem Lateinischen übersetzt und kommentiert von Wilhelm Rath, in Die Drei, 1951/3 – https://diedrei.org )

Die von Thomas und Alanus ungelöst gebliebene Frage wurde 1894 von Rudolf Steiner in der Philosophie der Freiheit beantwortet, auf der die Anthroposophie aufgebaut ist. Ein Jahrhundert später, am Ende des 20. Jahrhunderts, lebte die Frage erneut mit großem Widerhall auf. Es war eine Frage, die die Anthroposophie zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht beantworten konnte: Wie kommt der ätherische Christus in die Geisteswissenschaft? Diese Frage blieb in der Weltgeschichte stehen, als Rudolf Steiner 1925 starb. Bis zu diesem Augenblick konnte die Anthroposophie nur zu dieser Frage vordringen, die mit aller herzlichen Innerlichkeit in der geistigen Kultur der Menschheit steht.

Mit dieser Frage fand ich mich Anfang meiner 20er-Jahre konfrontiert, nach der Christus-Erfahrung, als ich begann, Anthroposophie zu studieren. Diese Frage wurde mein intensivstes Anliegen: “Wie kommt der ätherische Christus in die Anthroposophie?” Das neue Damaskusereignis, von dem Rudolf Steiner sprach, war eine Erfahrungstatsache. Aber wie lässt sich diese in die Anthroposophie integrieren? Die Christus-Erfahrung ohne Geisteswissenschaft bleibt eine persönliche Erfahrung. Anthroposophie ohne den Christus-Impuls bleibt lebloses Wissensgut. Beide brauchen sich gegenseitig. Daher widmete ich den ersten Teil meines geistigen Lebens der Vereinigung und Vermählung dieser beiden. Die Vorbereitungen zu dieser heiligen Hochzeit dauerten etwa 15 Jahre und wurden Anfang der 90er Jahre vollendet, und der Geist der Philosophie der Freiheit, die 1994 ihr hundertjähriges Bestehen feierte, amtierte bei der Zeremonie. Und ihr gemeinsames Kind wurde als Die Neue Erfahrung des Übersinnlichen geboren, die 1995, 20 Jahre nach der ursprünglichen Christus-Erfahrung, veröffentlicht wurde.

Wie ich auch an anderer Stelle beschrieben habe, sagte ich mir, nachdem ich Die Philosophie der Freiheit zum ersten Mal gelesen hatte: Sie lässt mich geistig atmen und die Christus-Erfahrung und die Anthroposophie zusammenbringen. Das gleiche geistige Licht erleuchtete die Christus-Erfahrung und die Anthroposophie. Die reine Denktätigkeit der Philosophie der Freiheit belebte die Geisteswissenschaft und hob die Christus-Erfahrung zu klarer und genauer Wahrnehmung. Sie wurde zu einer Quelle des Atmens von Licht und Leben, die in einem immerwährenden rhythmischen Fluss pulsiert und mit deren Hilfe – wie wir weiter unten sehen werden – der ätherische Christus bewusst wahrgenommen und erforscht werden kann. Ich sagte mir: Mit dem licht- und lebensspendenden Denken der Philosophie der Freiheit kann ich auf das Ziel der Vermählung der Anthroposophie mit dem ätherischen Christus hinarbeiten – der ätherische Christus würde durch sie in die Anthroposophie einziehen! Mit großem jugendlichen Enthusiasmus machte ich mich an diese Arbeit, aber natürlich konnte ich in diesem Stadium nicht wissen, wie lang und schwierig dieser Weg werden würde. Ich erkannte bald, dass, indem die Philosophie der Freiheit die Vermählung von Christus und Sophia vorbereitet, ihr zwei mächtige Paten- und Mutterfiguren zur Seite stehen: Plato und Aristoteles. Bei der Arbeit am Brückenbau, der zur heiligen Hochzeit führte, arbeiteten diese drei zusammen. Einige Aspekte dessen, was es brauchte, um sie zusammenzubringen, werden unten in Kapitel 3 beschrieben: Der platonisch-aristotelische Wesenstausch am Ende des 20. Jahrhunderts

Aus dem dritten Kapitel:
Platonisch-Aristotelischer Wesensaustausch am Ende des 20. Jahrhunderts

In den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts war meine spirituelle Arbeit dem Schaffen dessen gewidmet, was ich „die Brücke der geistigen Erinnerung und Bewusstseinserhaltung“ nannte, im Sinne von Goethes Märchen. Ich war von der starken Leidenschaft und dem Enthusiasmus durchdrungen, die Anthroposophie und die neue Offenbarung des ätherischen Christus miteinander zu vermählen.

Die erste Gestalt, welche die Brücke annahm, war Die Philosophie der Freiheit. Sie wurde zu ihrem ersten Fundament und ihrer ersten Stufe, auf der die geistigen Stufen aufgebaut werden konnten.

Als ich Die Philosophie der Freiheit zum ersten Mal las, zu Ostern 1976, genau ein Jahr nach der ursprünglichen Christus-Erfahrung, erkannte ich schon beim ersten Lesen, dass ich dabei dasselbe geistige Licht hervorbringe, das mir in der Christus-Erfahrung geschenkt wurde. Ich erlebte sofort – auch wenn es natürlich viele Jahre dauerte, bis ich dies in der Praxis umsetzen konnte -, dass das geschenkte Christus-Licht und das Licht des reinen Denkens aus der gleichen geistigen Quelle stammen. Ich war unendlich erleichtert, denn ich fand in meiner Seele einen freien Raum, in dem die beiden Seiten meiner Existenz miteinander verbunden waren. Aber die beiden Seiten der Brücke waren nicht gleich. Ich konnte mich von der ätherischen Seite her hineinbilden, denn das reine Denken ist auch ein geistiger Vorgang, der im Ätherleib und in der Welt stattfindet.

Deshalb begann ich, die Brücke vom Ätherischen zum Physischen zu bauen. Das reine Denken und die ätherische Wahrnehmung verstärkten sich gegenseitig im vollen Bewusstsein. Und diese Erfahrung führte mich in den ersten Jahren meines dritten Jahrzehnts dazu, die Idee und das Ideal der „Brücke“ in ihrer ursprünglichen Form auszugestalten.

Nachdem ich intensiv am ätherischen Teil der Brücke gearbeitet hatte, durch das spiritualisierte Denken in meinen 20er-Jahren, kam ich zu einem Punkt, an dem ich mir selbst sagen konnte: In Hinsicht auf die Entwicklung des reinen Denkens, basierend auf Goethes Weltanschauung, Wahrheit und Wissenschaft, Philosophie der Freiheit und Rätsel der Philosophie habe ich einige Fortschritte gemacht. Gegen Ende meiner 20er-Jahre bemerkte ich, dass dies zwei miteinander verknüpfte Veränderungen in meinem Denk- und Imaginationsvermögen bewirkte. Das Denken wurde der Imagination immer verwandter, und die Imagination wurde durch das Denken völlig umgewandelt. Einerseits konnte ich meine imaginative Wahrnehmung nach Belieben durchdringen und verstärken und sie mit dem Licht des reinen Denkens erfüllen. Dies ermöglichte es mir, den kognitiven „Begriff“ und die erfahrene übersinnliche „Wahrnehmung“ in größerer Klarheit zu vereinen. Einerseits vergeistigte die imaginative Wahrnehmung das Denken und hob es auf die Ebene der Imagination. Vergeistigtes Denken verlieh der imaginativen Wahrnehmung Konsistenz und Klarheit, imaginative Wahrnehmung verwandelte das vergeistigte Denken in imaginative Wahrnehmung. Als ich das Ende meiner 20er-Jahre erreichte, konnte ich es als einen bedeutenden Fortschritt erleben, dass das vergeistigte Denken meine imaginative Wahrnehmung in ein robusteres, klareres und geformteres Erkenntnisvermögen umwandelte, und das vergeistigte Denken selbst wurde zur imaginativen Fähigkeit. Der Wesenstausch zwischen vergeistigtem Denken und Imagination wurde zu einem Strom, mit zwei eng miteinander verbundenen Funktionen, und ich konnte ihn als reife Erkenntnis-Fähigkeit nutzen.

Darüber hinaus konnte ich nun in der ätherischen Welt der lebendigen übersinnlichen ‚Wahrnehmung‘ stehen und von der ätherischen Welt aus ‚zurückblicken‘ und die durch dieses vergeistigte Denken im Ätherleib verursachten Veränderungen erfassen. Ich konnte die lebendig eingeprägten Fußspuren des vergeistigten Denkens im höheren Teil des Ätherleibes wahrnehmen, der angrenzt an die Schwelle des gewöhnlichen Erkennens. Von der anderen, irdischen Seite wurde in dem durch das vergeistigte Denken geschaffenen ätherischen Gegenstück mein geistiges Sein und Wirken in der ätherischen Welt widergespiegelt, und das Christus-Erlebnis konnte in immer klarere imaginative Gestalten und Formen gebracht werden. Die neue Kraft des aus dem spiritualisierten Denken der Philosophie der Freiheit stammenden geistigen Lichtes erlaubte mir nun, in diesem Teil des Ätherleibes die reflektierten Ergebnisse meiner imaginativen Untersuchungen in der ätherischen Welt wahrzunehmen. Es war, als ob dieses vergeistigte Denken einen Teil des Ätherleibes in einen ätherischen Spiegel verwandelte, der die imaginativen Erfahrungen reflektieren konnte, so wie das physische Gehirn gewöhnliche Sinneswahrnehmungen und Vorstellungen reflektiert. Ich konnte auf diese Weise beginnen, meine ätherisch-imaginativen Erfahrungen und Untersuchungen in der ätherischen Welt zu er-innern und sie bewusst von „dort drüben“ in den spiritualisierten Teil meines gewöhnlichen Bewusstseins „hier unten“ zu tragen und sie als zwei Seiten desselben Erkenntnisprozesses und -kosmos zu identifizieren; ich konnte zum ersten Mal eine Fortsetzung des Bewusstseins aus dem Ätherischen in das vergeistigte Denken hinein erreichen, das ich willentlich in der physischen Welt verwirklichen kann. Diese Seite der Brücke erstreckte sich nun vom imaginativen Bewusstsein zum vergeistigten Denken; ich konnte auch spüren, dass das übersinnliche Selbstbewusstsein, das in der gegebenen Christus-Erfahrung ein gegebenes Geschenk war, sich mit meinem gewöhnlichen „Ich“ verbinden konnte, insofern das „Ich“ die Quelle des vergeistigten Denkens war. Der Augenblick des Zusammentreffens meiner beiden „Ichs“ war ein großes Ereignis, das auch im ersten Vortrag von Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit beschrieben ist. Mein geistiges Sein und die Tätigkeit meines Ich wurden in beiden Welten zu einem kontinuierlichen Strom, denn die imaginativen Wahrnehmungen und Erfahrungen wurden in dem Spiegel reflektiert, der durch das spiritualisierte Denken im Ätherleib geschaffen wurde, und ich konnte sie als zu ein und demselben Ich gehörig erleben.

Diese neue Fähigkeit war eindeutig das Ergebnis der Spiritualisierung des Denkens mit Hilfe der gegebenen ätherischen Kräfte des ätherischen Christus. Der Wesenstausch zwischen imaginativem Erkennen und spiritualisiertem Denken vergeistigte beide Aktivitäten in kontinuierlichen Atemzyklen und Rhythmen der Intensivierung. Er verband beide in einer höheren Synthese und schuf die erste Seite der Brücke der Bewusstseinserhaltung.

Ich war mir jedoch vollständig bewusst, dass die Brücke nur von oben nach unten errichtet war und nur den oberen Teil des Ätherleibes erreichte. Mein gewöhnliches kognitives Leben in der physischen Welt, das in Sinneswahrnehmungen und der Bildung von Vorstellungen seinen Lauf nahm, befand sich unterhalb dieses ätherischen Spiegels und war meinen höheren Erkenntniskräften nicht direkt zugänglich.

Bis zu diesem Stadium konnte die Brückenarbeit bis zum Ende meiner 20er-Jahre voranschreiten. Ich konnte mein Bewusstsein und mich selbst von oben nach unten zu den oberen Schichten des Ätherleibes überbrücken, wo sich vergeistigtes Denken mit imaginativer Wahrnehmung vereinigte. In der Tat erlaubte mir der durch das spiritualisierte Denken geschaffene ätherische Spiegel auch im gewöhnlichen Bewusstsein bis zu einem gewissen Grad eine Spur und ein Echo unserer imaginativen Erfahrungen zu erinnern und in Begriffe zu fassen. Das war eine Quelle großer Befriedigung, aber andererseits schärfte es auch die Erfahrung dafür, dass mein Bewusstsein immer noch geteilt ist und die Kräfte der geistigen Erkenntnis nicht in den physischen Leib und die physische Welt eindringen können. Es gab immer eine Barriere und einen Schleier, die das Licht meiner imaginativen Wahrnehmung und Erkenntnis von dem Licht dieser Welt trennten. Ich spürte, dass ich nicht so vollständig inkarniert bin wie andere Menschen. Und ich intensivierte meine Suche nach den Erkenntniskräften, von denen solche starken Kräfte ausgehen könnten, die mir erlauben würden, die Brücke von der ätherischen zur physischen Welt zu erweitern.

In meinem gewöhnlichen Bewusstsein konnte ich mir das Ziel der vor mir liegenden Brückenarbeit in seiner anthroposophischen idealen Form sehr gut vorstellen. Es wurde von meinem gewöhnlichen Bewusstsein klar erfasst. Als ich auf meine 30er-Jahre zuging, konnte ich fühlen, dass nun eine entscheidende Bewährungsprobe für das Erkenntnisdrama der Wiederkunft beginnt. Im Idealfall wusste ich, was erforderlich ist, um den zweiten Teil der Brücke zu vollenden: Man muss sich den Todeskräften im physischen Gehirn, Körper und in der Welt im paulinischen Sinne stellen: „Und jetzt, als Paulus das begriffen hatte, erkannte er eben erst die Wahrheit des esoterischen Christentums: Die Aufnahme des Todes in das Leben, das ist das Geheimnis von Golgatha.“ (Vortrag vom 2. April 1922, GA 211). Dieses Geheimnis muss – so sagte ich mir in dieser Zeit meines Lebens – die leitende Inspiration werden. Dies ist der einzige Weg, der zu der geheimnisvollen Verbindung zwischen den Todeskräften und den Gestaltungskräften der physischen und imaginativen Erkenntnis und dem Geheimnis des geistigen Selbstbewusstseins führen kann. Dies ist der Schlüssel zu dem Rätsel, wie die gegebene Christus-Erfahrung durch das Erkenntnisdrama der Wiederkunft in die voll bewusste Christus-Erfahrung verwandelt und nachvollzogen werden kann. Aber in den kommenden Jahren, als ich begann, an dieser Aufgabe zu arbeiten, und mich bemühte, die Seelenkräfte zu schaffen, die notwendig sind, um die Todeskräfte des gewöhnlichen Bewusstseins zu überwinden, begegnete ich auf diesem Weg großen Hindernissen…

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Die drei Begegnungen

Die drei Begegnungen 
Christus, Michael und Anthroposophia

Ein Auftakt zur Neuauflage von Die neue Erfahrung des Übersinnlichen

Aus dem ersten Kapitel: Die platonisch-aristotelische Synthese am Ende des 20sten Jahrhunderts

In Die neue Erfahrung des Übersinnlichen haben wir gezeigt, dass die Grundstruktur des Buches ein Ausdruck der beiden Säulen der modernen Christuserfahrung ist: die gegebene Christuserfahrung und die bewusst entwickelte Christuserfahrung. Die gegebene Erfahrung wird in Kapitel 4 beschrieben und die bewusst entwickelte Erfahrung in Kapitel 5, in dem, was wir das Erkenntnis-Drama des Wiedererscheinens nannten. 

Das Buch gründet sich daher auf die Beziehung zwischen der gegebenen und der bewusst entwickelten Christus-Erfahrung. Sie kann, philosophisch gesprochen, als die kognitive Verbindung zwischen der „gegebenen Wahrnehmung“ und dem „aktiv erzeugten Begriff“ betrachtet werden. Mit unseren Sinnen nehmen wir alle ständig Dinge wahr. Aber wie oft halten wir tatsächlich inne, um über ihre Natur, ihr Sein und ihr Werden nachzudenken und sie zu erforschen? Meistens gehen wir einfach weiter, weil wir mit anderen Dingen beschäftigt sind. Noch bildhafter können wir es mit der Sprache der Gralsgeschichte ausdrücken. Ihre erkenntnismäßige Grundstruktur ist dieselbe. Sie beschreibt den Weg, der weiterführt von dem bloß wahrgenommenen und gegebenen Eindruck, wie ihn Parzival bei seinem „ersten Besuch“ auf der Gralsburg erlebt. Er hat die Wunder der Gralsprozession und die Qualen des Fischerkönigs nur „gesehen“, aber er hat nicht nachgefragt. Er stellte keine Fragen zu dem, was er sah und erlebte, denn das Erlebnis der Gralsmysterien blieb nur eine „gegebene Wahrnehmung“. Die Wahrnehmung des verwundeten und leidenden Fischerkönigs verblieb als gegebene Wahrnehmung, über deren Ursachen Parzival nicht nachdachte und die er nicht hinterfragte. Er dachte nicht darüber nach und stellte deshalb auch keine Frage. Erst nach vielem Leid und Zweifeln erkannte er sein Versäumnis und suchte bewusst den Weg zurück zur Burg, der ihn durch „sechzig Meilen“ der Bewährung führte. Und, beim zweiten Besuch verstand er, was er beim ersten Besuch nur erlebt hatte. Er fügte der gegebenen Wahrnehmung die aktiv gebildete Vorstellung hinzu, erkannte die Wahrheit der Situation und handelte entsprechend. Ein anderes bedeutsames Bild, das wir oft betrachten, basiert auf Goethes Märchen Die grüne Schlange und die schöne Lilie, in dem der Bau der Brücke beschrieben wird, welche die gegebene geistige Erfahrung mit der bewusst durchgeführten geistigen Forschung verbindet.

Das Ziel unserer geisteswissenschaftlichen Forschung ist die Entwicklung der menschlichen Wahrnehmung und Erkenntnis von der gegebenen übersinnlichen Christuserfahrung, der übersinnlichen „Wahrnehmung“, hin zur vollbewussten geisteswissenschaftlichen Forschung, um den bewusst geschaffenen „Begriff“ für diese „Wahrnehmung“ zu erzeugen. In diesem Fall ist die „Wahrnehmung“ die Erscheinung, die Welt und die Handlungen des ätherischen Christus, und der „Begriff“ ist die voll bewusste geistige Forschung, die im Erkenntnisdrama der Wiederkunft durchgeführt wird. Die übersinnliche „Wahrnehmung“ wird in Kapitel 4 mit dem Titel „Die moderne Christuserfahrung – Die Begegnung mit dem neuen Initiator“ beschrieben. Der geisteswissenschaftliche Schöpfungsprozess des zugehörigen „Begriffs“ dieser Erfahrung wird in Kapitel 5, Das Erkenntnisdrama der Wiederkunft, beschrieben. Kapitel 4 stellt die „Wahrnehmung“ und Kapitel 5 den „Begriff“ der modernen Christuserfahrung dar.

Die Philosophie der Freiheit erwies sich als die fruchtbarste Grundlage für das Erkenntnisdrama und den Bau der Goetheschen Brücke. Sie diente uns auch dazu, die für diese Forschung notwendige Synthese zwischen den platonischen und aristotelischen geistigen Kräften zu schmieden. Sie bildet die grundlegende geisteswissenschaftliche Methode, welche es am Ende des 20. Jahrhunderts ermöglichte, die gegebene ätherische Christuserfahrung in eine voll bewusste übersinnliche Erfahrung zu verwandeln. In dieser Einführung beschreiben wir den Entstehungsprozess dieser in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelten Synthese. Natürlich wird es etwas biografisch, wenn man nach 30 Jahren ein solches Vorwort für die Neuauflage schreibt, denn bei der Gralssuche sind der allgemeine und der persönliche Aspekt des spirituellen Weges eng miteinander verflochten.

Im ersten Vortrag des Jahrestreffens der Schule für Geisteswissenschaft im Februar 2019, „Die grundlegende Amfortas-Parzival-Dualität“ [dieser Vortrag ist in Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit veröffentlicht], habe ich einige grundlegende Aspekte dieses persönlich-überpersönlichen Weges beschrieben. Hier werde ich mich auf die Bildung der platonisch-aristotelischen Synthese konzentrieren.

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Das Ereignis der kosmischen Wiedergeburt des Denkens

Und nur, wenn dieser große kosmische Weltprozeß im menschlichen Inneren aufgefangen wird, wenn er im menschlichen Inneren durchlebt wird, dann ist es möglich, durch eine Erfassung des menschlichen Innersten als etwas Kosmischem zu einer Philosophie der Freiheit zu kommen.
                                                                                                    Rudolf Steiner

Das Ereignis der kosmischen Wiedergeburt des Denkens

Der Grund, warum sich die meisten Menschen überhaupt nicht für die neue Offenbarung von Michael und Christus (unerwähnt bleiben hier die aktiven Gegenkräfte…) interessieren, kann nur verstanden werden, wenn wir verstehen, dass die wahre Geisteswissenschaft zu dieser Offenbarung auf eine vollbewusste Weise führt. Unser toter irdische Intellekt, den wir so in Ehren halten, und unsere visionären Phantasien und Spekulationen, die wir noch mehr in Ehren halten, können uns nicht zu dieser Offenbarung führen. Nur das hellste und genaueste, das lebendigste Bewusstsein, das mit dem Mitteln der Vergeistigung des Denkens, Fühlens und Wollens entwickelt wurde, öffnet das Tor zu dieser Offenbarung. Was Rudolf Steiner vor mehr als einem Jahrhundert dazu sagte, ist noch nicht verstanden, geschweige denn praktiziert und erlebt worden:

„Und nur, wenn dieser große kosmische Weltprozeß im menschlichen Inneren aufgefangen wird, wenn er im menschlichen Inneren durchlebt wird, dann ist es möglich, durch eine Erfassung des menschlichen Innersten als etwas Kosmischem zu einer Philosophie der Freiheit zu kommen.“ (27.10.1918, GA 185)

Aus dem Buch:
Michaelisches Yoga – Sich selbst einen neuen Ätherleib und ätherische Individualität erschaffen
Aus dem 5. Kapitel: Ätherisation des Denkens

Wir erfahren, was aus den potenziellen Kräften, die dem Denken zugrunde liegen und es motivieren, wird, wenn das Denken nicht mehr genutzt wird, um ein Objekt oder einen Prozess zu synthetisieren, zu reflektieren, vorzustellen, zu benennen oder zu definieren, extern oder intern. Was wird aus dem Denken, wenn wir das gewöhnliche Denken ganz aufgeben und doch bewusst bleiben (also nicht einschlafen)? Unsere Vorstellungen und Erfahrungen, die sich um das »Ich denke, also bin ich« drehen, tauen auf, schmelzen, verdampfen und das Denken wird »gasförmig«. Wir lernen, des Denkens aufstrebendem Strom des Werdens zu folgen, während er sich entwickelt, hinein in den im ätherischen »Ausatmungs«-Prozess des Michaelischen Yoga. Wir teilen seine Glückseligkeit des kosmischen Flugs, wenn es uns mitnimmt, um die freudige Ausdehnung unseres ganzen Seins durch sein befreites neues Leben zu begleiten, das aus den engen Grenzen des hirngebundenen Intellekts heraustritt.

Nun, diese Glückseligkeit wird moralisch gerechtfertigt sein, solange ES (das ätherisierte, befreite Denken) uns als Geschenk der Gnade mitnimmt. Auf mehr Glück zu drängen, nur weil wir diesen Genuss wünschen und ihn um seiner selbst willen weiter intensivieren wollen, wird uns nicht mehr echtes Wissen über uns selbst und die Welt bringen. Früher oder später wird es unsere ätherische Erkenntnis und unser imaginäres Bewusstsein trüben. Wenn wir uns also in diesem Stadium nicht der einseitigen Versuchung hingeben, wegzufliegen und dem Körper und der Erde durch die Freuden des ätherisierten Denkens zu entkommen, werden wir, wenn ES uns aus seinem begnadeten kosmischen Fluss entlässt, in der Lage sein, sozusagen stillzustehen und unsere Seele zwischen dem mächtigen Auftrieb der luziferischen ätherischen Leichtigkeit und der degradierenden Kraft der ahrimanischen Gravitation auszubalancieren. Es ist viel einfacher, sich entweder der verlockenden Glückseligkeit des ätherischen Fliegens hinzugeben oder in den physischen Leib zurückgezogen zu werden, als das freie moralische ätherische Gleichgewicht in der Mitte zwischen ihnen zu finden. Aber wenn diese ausgeglichene Position erreicht ist (sie ist intensiv dynamisch im Innern und muss immer wieder hergestellt werden, indem alle bisher geschaffenen ätherischen kognitiven Kräfte genutzt werden), sind wir in der Lage, zum physischen Leib »zurückzublicken«. Statt zum Körper zurückzufallen oder von ihm wegzufliegen, suchen wir das Gleichgewicht auf der ätherischen Grenze zwischen Leichtigkeit und Schwerkraft und erden unsere Mittelstellung in dem Teil des ätherischen Leibes, den wir bereits individualisiert und vergeistigt haben. Diese Perspektive offenbart uns andere Aspekte der prägenden Kräfte, die unseren physischen und ätherischen Leib formen und verdichten. Wenn wir uns bewusst der Versuchung stellen, die Quelle des kosmischen Lebens weit draußen in den verlockenden kosmischen Lichtkräften zu suchen, werden wir in der Lage sein, uns auf immer neue Weise den Rätseln und Problemen des wahren Menschwerdens im Universum zu nähern.

In diesem Moment erleben wir ein bedeutendes spirituelles Ereignis: das Ereignis der kosmischen Wiedergeburt des Denkens, seiner Befreiung und Metamorphose, seines Welt-Werdens, seiner Kosmisierung. Jetzt können wir uns bescheiden mit dem freigesetzten Lebensstrom des Denkens in den Kosmos fliegen lassen und »das Ereignis des kosmischen Denkens« feiern, ohne die schöpferische kosmische Bedeutung des menschlichen Lebens und des Werdens auf der Erde zu vergessen. Dieser Flug führt uns gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen: höher in Richtung der bestehenden kosmischen ätherischen Sonne und tiefer in die neue »Sonne in der Erde«. Wenn wir es vermeiden, diese Orientierungen in räumliche Vorstellungen umzusetzen, können wir spüren, dass ihre spirituellen Essenzen ein und dieselbe sind. Wir erleben nur eine Sonnenlinie, einen Bogen und einen Umkreis durch Mittag und Mitternacht, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, die sich dort durch das ganze strahlende ätherische Universum und »dort unten« in und durch unseren durchsichtig gewordenen physischen Leib ausbreiten. Dies lässt uns auch durch die transparente ätherische Tiefe der Erde sehen, die aufleuchtet und das innewohnende, irdische Sonnenleben des ätherischen Christus offenbart.

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Was ist Geisteswissenschaft?

Seit der Veröffentlichung meines ersten Buches Mitte der 90er Jahre bin ich immer wieder auf diesen Einwand gestoßen. Es wird gesagt, dass ich, weil ich meine spirituelle Forschung in meiner eigenen übersinnlichen Erfahrung begründet habe, nicht als treuer Anhänger Rudolf Steiners angesehen werden kann und daher meine Forschung nicht als ernst zu nehmender Beitrag zur Entwicklung der Geisteswissenschaft verstanden werden sollte. Andererseits wird niemand bestreiten, dass viele spirituelle Erfahrungen missbraucht werden, um egoistische Wünsche zu rechtfertigen und einen ähnlichen Glauben an eine äußere Autorität zu fördern. Zwischen diesen beiden Dogmen, dem Dogma der Tradition und dem Dogma der Erfahrung, einen Mittelweg zu finden, ist sicherlich schwierig und muss immer wieder neu entdeckt werden.

Vorwort von Michaelisches Yoga –
Sich selbst einen neuen Ätherleib und ätherische Individualität erschaffen

(Ereignis Verlag 2021)

Wenn jemand in unserer Zeit die Ergebnisse der geisteswissenschaftlichen Forschung auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrung veröffentlicht, erwartet er natürlich viele Einwände. Lassen Sie mich nur einen erwähnen, der in zwei sich ergänzenden Formen vorliegt. Die erste Art des Einwands ist bei den Anhängern der Anthroposophie vorherrschend, die glauben, dass – ungeachtet des individuellen Beispiels Rudolf Steiners – die individuelle übersinnliche Erfahrung nicht die Quelle der Geisteswissenschaft sein sollte. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die sich damit zufriedengeben, spirituelle Erfahrungen, Offenbarungen und Visionen zu haben, und die die spirituelle Wissenschaft als zu anspruchsvoll betrachten, weil sie ein ernsthaftes langfristiges Engagement zur Entwicklung klarer, genauer und gedanklicher Kräfte der spirituellen Erkenntnis erfordert. Die Menschen, die die erste Art von Einwand erheben, glauben nun aufrichtig, dass nur die treue Interpretation der Texte des Meisters und die Bewahrung der von ihm geschaffenen kulturellen und praktischen Formen die wirklichen Aufgaben der Geisteswissenschaft sind. Es ist nicht schwer, den Widerspruch in diesem Glauben zu finden: Denn wenn die Geisteswissenschaft eine authentische Wissenschaft sein soll, muss sie auf einer neuen empirischen Erforschung der realen Welt beruhen, die in der menschlichen Erfahrung gegeben ist, und nicht nur auf der Interpretation von Texten. (Wir könnten in diesem Zusammenhang an Rudolf Steiners Charakterisierung der Schüler von Aristoteles als »eine Plage des Wissens« erinnert werden, da sie zu erbitterten Feinden der neuen Naturwissenschaft wurden, weil sie versuchten, Galileis individuelle und originäre Beobachtungen der realen physischen Welt durch Zitieren von Texten von Aristoteles, die etwa 2000 Jahre zuvor geschrieben wurden, zu verwerfen.)

Dennoch bin ich seit der Veröffentlichung meines ersten Buches Mitte der 90er Jahre immer wieder auf diesen Einwand gestoßen. Es wird gesagt, dass ich, weil ich meine spirituelle Forschung in meiner eigenen übersinnlichen Erfahrung begründet habe, nicht als treuer Anhänger Rudolf Steiners angesehen werden kann und daher meine Forschung nicht als ernst zu nehmender Beitrag zur Entwicklung der Geisteswissenschaft verstanden werden sollte. Andererseits wird niemand bestreiten, dass viele spirituelle Erfahrungen missbraucht werden, um egoistische Wünsche zu rechtfertigen und einen ähnlichen Glauben an eine äußere Autorität zu fördern. Zwischen diesen beiden Dogmen, dem Dogma der Tradition und dem Dogma der Erfahrung, einen Mittelweg zu finden, ist sicherlich schwierig und muss immer wieder neu entdeckt werden.

Nun, wir sollten den ersten Einwand nicht einfach von der Hand weisen, denn sein Fehler beruht auf einer wichtigen Wahrheit, die vollständig verstanden werden muss. Die von vielen Menschen geforderte Loyalität gegenüber der Autorität von Traditionen, Institutionen und Texten ist eine Verfälschung des wahren Wesens geistiger Loyalität, die sich an die geistigen Kräfte richten sollte, die die ursprünglichen, schöpferischen Impulse selbst hervorbringen, und nicht an die äußeren Formen, in denen sie inkarniert und bewahrt werden. Diese Loyalität ist in der Tat absolut notwendig. Sie ist eine Voraussetzung für den Fortschritt in allen Bereichen des menschlichen Wissens und der menschlichen Schöpfung. Der Fortschritt im menschlichen Leben und Wissen muss in dem reichen Boden begründet sein, der durch die Gründer und Entwickler der einzelnen Zweige unseres kulturellen und sozialen Lebens gepflegt wird. Wenn jemand individuelle Forschung in der Physik präsentieren will, muss er die Grundlagen der Physik studieren und sich einverleiben und vieles mehr. Dieses Wissen wird er dann in seiner gesamten Vorgehensweise bei der Durchführung und Präsentation seiner individuellen Forschung demonstrieren. Wenn wir das Leben von Wissenschaftlern und Künstlern studieren, die wirklich kreativ und unabhängig sind, stellen wir außerdem fest, dass die Treue zu ihren Vorgängern die Quelle ihrer ursprünglichen Schöpfungen war, selbst wenn sie sich mit der Überwindung der veralteten, äußeren Formen der Vergangenheit herumschlagen mussten. Was die Gläubigen des Dogmas der Erfahrung behaupten, nämlich, dass frei und kreativ zu sein bedeutet, Visionen und Inspirationen aus dem Nichts zu empfangen, widerspricht der Tatsache, dass die kreativsten und freiesten Menschen genau die sind, die in den tiefsten Quellen ihrer Fachgebiete verwurzelt sind. Der wahrhaft große Revolutionär bekennt sich gerne zu seiner unbestreitbaren Schuld gegenüber seinen Vorgängern, während der kreative Pionier und abenteuerlustige Entdecker zugleich der ergebenste Schüler ist. Für die wirklichen Pioniere ist es eine Tatsache, dass »original« die wörtliche Bedeutung des Begriffs bedeutet: Nur in dem Maße, in dem du deine schöpferischen Kräfte von den spirituellen Ursprüngen deines Handwerks ableitest, kannst du danach streben, wirklich originell zu werden.

Rudolf Steiner ist das größte Beispiel dafür, denn er gründete die Geisteswissenschaft auf den besten Errungenschaften der Naturwissenschaften. War er der Wahrheit treu, die von den Gründern der Naturwissenschaften entdeckt wurde? Ganz gewiss. War er ein freier und kreativer Mensch, der eine völlig neue Wissenschaftsdisziplin begründete? Ja, in der Tat. Schließlich ist die frei entwickelte Loyalität zum schöpferischen Gründungsimpuls deiner Disziplin die gleiche Loyalität, die du deinem eigenen wahren Selbst schuldest, denn in der geistigen Welt haben beide die gleiche Quelle. Während im Falle anderer Wissenschaften und Künste die Treue zu den spirituellen Ursprüngen in unterschiedlichem Maße bewusst sein kann, muss sie in der Geisteswissenschaft voll bewusst werden. Wenn du die spirituelle Erfahrung in eine völlig bewusste und kognitive übersinnliche Forschung umwandeln willst, kannst du dich nur dann orientieren, wenn du die wirklichen spirituellen Schritte deines Lehrers genauestens befolgst. Tatsächlich kann man seine individuellen Erfahrungen und Einsichten nur dann einführen, untermauern und bestätigen, wenn man jeden einzelnen Schritt in der zuvor geleisteten spirituellen Arbeit der Meister auf diesem Gebiet begründet. (Es ist wichtig zu betonen, dass dies nicht aus externen Gründen geschieht, wie z. B. um stolz auf die eigene Bildung zu sein oder um in diesem oder jenem Bereich Akzeptanz zu erlangen, sondern allein aus diesen internen Gründen.) Man ist nur dann ehrlich und gewissenhaft, geistig gesehen, wenn man diese Anforderung erfüllt. Dies sind die objektiven Gesetze und Bedingungen auf diesem Wissensgebiet. Und ich weiß sehr wohl, dass es völlig überflüssig ist, jemanden in diesen Dingen zu überzeugen, solange er es nicht selbst erleben will. Sich mit den Gläubigen der Dogmen von Tradition und Erfahrung darüber zu streiten, was die Geisteswissenschaft wirklich ist, ist nie ein produktives Unterfangen. Man kann nur fortfahren, indem man die eigene innere Treue und Wahrhaftigkeit immer wieder überprüft, indem man die immanenten, inhärenten Gesetze und Bedingungen der spirituellen Forschung erfüllt und es dann friedlich dem Leser überlässt, sein eigenes individuelles Urteil zu bilden.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang kurz einige Momente aus den prägenden Jahren meiner spirituellen Arbeit erwähnen. (Ich habe einige Aspekte meiner spirituellen Biografie in einem Interview mit Thomas Stöckli beschrieben, das im Januar 2001 in Das Goetheanum veröffentlicht wurde. Eine erweiterte Version davon ist im Nachdruck meines Buches The New Experience of the Supersensible, Temple Lodge Publishing, 2007, enthalten.)

Mein erwachsenes geistiges Leben begann in einer übersinnlichen Erfahrung des ätherischen Christus. Sofort fing ich an, nach Antworten und Lösungen für die unzähligen Fragen und Rätsel zu suchen, die diese Erfahrung mit sich brachte. Diese Suche führte mich direkt zur Anthroposophie. Zuerst studierte ich Rudolf Steiners Forschungen über den Christus-Impuls. Danach ging ich zur allgemeinen Anthroposophie über, und ein Jahr später las ich Rudolf Steiners eigenen Ausgangspunkt für die Geisteswissenschaft Die Philosophie der Freiheit. Das geschah genau vor 40 Jahren, 1976. Neben einem kontinuierlichen und intensiven Studium der Anthroposophie begann ich mit größter Begeisterung alles zu studieren, was er je über Erkenntnis, Philosophie, Goetheanismus, Naturwissenschaft und deren Umwandlung in die Geisteswissenschaft geschrieben und gesagt hat. Ich erinnere mich noch mit innerster Seelenwärme an jene kurzen Jahre in meinen frühen 20er-Jahren, die ich der Aufnahme der Grundlagen der modernen Naturwissenschaft und Biologie am Oranim College widmen konnte (einem Zweig der Universität Haifa, wo ich zwanzig Jahre später mit meiner Dissertation über Die Erkenntnis des »Ich« in Husserls Phänomenologie in Philosophie promovierte, in feiner Weise betreut von Prof. Michael Strauss). Ich verbrachte die Vormittage und Nachmittage in den Klassen und Laboren, wo man die großen Errungenschaften der heutigen Physik, Chemie, Biologie, Physiologie und Anatomie mit der ganzen Hingabe und Begeisterung der jugendlichen Studentenkräfte hautnah erleben konnte. Dann habe ich lange Abende und Nächte in meiner kleinen Wohnung gearbeitet, um jede Zeile des naturwissenschaftlichen Wissens mit den natur- und geisteswissenschaftlichen Werken von Goethe und Steiner zu verbinden. Ich fand heraus, dass Rudolf Steiner in den konkretesten, reproduzierbarsten und nachprüfbarsten Details die praktische Erkenntniskunst der Schaffung einer kontinuierlichen kognitiven Brücke demonstriert hat, die aus den reinsten und genauesten Gedanken besteht, die von der zeitgenössischen Naturwissenschaft und dem Denken zur Geisteswissenschaft führen. Ich spürte, dass ich durch die Christus-Erfahrung meine irdische Heimat in der der Erde nächstgelegenen geistigen Welt gefunden hatte, und durch Rudolf Steiners vergeistigte Wissenschaft, Denken und Erkenntnis konnte ich meine geistige Heimat auf der Erde finden. Und der Aufbau einer voll bewussten spirituellen Brücke zwischen den beiden Welten wurde bald zu meinem täglichen spirituellen Atmen. Er wurde zu einem wichtigen Element in meinem Innenleben und meiner spirituellen Forschung, die ich in den letzten Jahrzehnten entwickelt und umgewandelt habe. Dies wurde die Quelle meiner veröffentlichten Bücher, Vorträge und meiner Beiträge zur Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, und ihre Anwendung im gesellschaftlichen Leben wurde zur Quelle für die Gründung der Gemeinschaft Harduf. Ich habe die Ergebnisse dieser Forschung in meinen Büchern veröffentlicht, The Spiritual Event of the 20th Century, 1993 (dt. Das spirituelle Ereignis des 20. Jahrhunderts, 1994); The New Experience of the Supersensible, 1995 (dt. Die neue Erfahrung des Übersinnlichen, 1997); America’s Global Responsibility, 2002 (dt. Die globale Verantwortung der USA, 2003); The Event in Science, History, Philosophy & Art, 2011 (dt. Das Ereignis in Wissenschaft, Geschichte, Philosophie und Kunst, 2013); und Spiritual Science in the 21st Century, 2013 (dt. Geisteswissenschaft im 21. Jahrhundert, noch nicht erschienen). Ich betrachte das vorliegende Buch als eine organische Fortsetzung und Entwicklung des essenziellen Fadens, der meine geistige Forschung über die Jahre hinweg verbindet, basierend auf meinem Hauptbuch, Die neue Erfahrung des Übersinnlichen. (Abschließend möchte ich bemerken, dass ich aufgrund der neueren Anforderungen an meine Zeit bei jedem Schritt und jeder Wendung des vorliegenden Textes darauf verzichten musste, auf Rudolf Steiners Bücher Bezug zu nehmen. Mit wenigen Ausnahmen wird die Erdung meiner gegenwärtigen Forschung in Rudolf Steiners Werk dem Leser überlassen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die detaillierten und ausführlichen Notizen, die Referenzen und die Bibliografie in meinem grundlegenden Buch, Die neue Erfahrung des Übersinnlichen, als nützliche Quelle für das vorliegende Buch dienen können.)

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Michaelische Unsterblichkeit

2. Vortrag, Freitag 3.11.2017, Forum3 Stuttgart

In meinem zweiten Vortrag im Forum3 in Stuttgart am 4.11.2017 beschrieb ich die Michaelische Unsterblichkeit als das genaue Gegenteil der ahrimanischen Unsterblichkeit, über die ich im ersten Vortrag gesprochen hatte. Ahriman strebt danach, den Ätherleib soweit zu verhärten, dass er auch nach dem Tod intakt bleibt, sodass er die Seele und den Geist des Menschen an die ahrimanischen Kräfte fesselt und damit diesen Kräften bei der Eroberung der Erde und der Menschheit dient. Die Michaelische Unsterblichkeit wird durch die Vergeistigung des Ätherleibes erreicht, wie sie in meinem Buch „Michaelisches Yoga: …..“ beschrieben wird.

In den Jahren 1919 und 1920 beschrieb Rudolf Steiner zum ersten Mal diesen Michaelischen Weg, der von Anfang an sein eigener geistiger Weg war, und er gab die ersten Hinweise darauf, wie dieser Pfad zu einem neuen und echt modernen anthroposophischen Weg individualisiert werden kann. Dieser Michaelische Weg, den Rudolf Steiner entwickelte, hat zwei Säulen, Jakin und Boaz: das reine Denken, das durch die Philosophie der Freiheit entwickelt wurde, und die reine Wahrnehmung, die durch die erweiterte Goethe‘sche Sinneswahrnehmung entwickelt wurde. Das Atmen zwischen reinem Denken und reiner Wahrnehmung erweckt und verstärkt die fast vollständig freigesetzten ätherischen Kräfte des physichen Kopfes und Herzens, und verwandelt sie in kräftige und schöpferische Geisteskräfte, die allein die ahrimanischen Kräfte überwinden können.

Ich nutzte Rudolf Steiners Hinweise zu dem neuen Michaelischen Yoga und wandte sie auf diese spezielle Aufgabe an.

Ein wichtiger Teil der guten Nachrichten, die ich in dem zweiten Vortrag mitteilen konnte, war die Tatsache, dass dies als ein Teil der praktischen Demonstration des Global Event Colleges stattfand, und damit als Gemeinschaftsprozess.

Was durch individuelle geisteswissenschaftliche Entwicklung und Forschung am Ende des letzten Jahrhunderts geschaffen wurde, wird in den letzten Jahren so verwandelt, dass es in einer Gemeinschaft angewandt und erlebt wird. Darin sehe ich die Hauptaufgabe der echten Anthroposophie in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts.

Diese Arbeit am Aufbau einer Gemeinschaft, die von der unabhängigen Schule für Geisteswissenschaft und ihrem kreativen Kollegium, dem Global Event College, praktiziert wird, hat folgendes Ziel: Gemeinsam den neuen Ätherleib der zukünftigen anthroposophischen Gemeinschaft zu erschaffen, der organisch, Schritt für Schritt, in die 20er und 30er Jahre hinein wachsen wird, um die wichtigste Aufgabe Michaels unserer Zeit zu erfüllen: das geistigen Potential der Weihnachtstagung, deren Samen 1923/24 in unsere Herzen gelegt wurden, zu nähren und wachsen zu lassen, und es in unserem vollbewussten Erleben der Ätherwelt im Laufe der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts zum Leben zu erwecken.
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Aus rechtlichen Gründen ist das YouTube-Video hier leider nicht eingefügt.

Hier der Link zu dem entsprechenden Blog auf der englischen Website, wo das Video angeschaut werden kann:
http://www.ibecoming.co.il/eng/Blog/642/Michaelic-Immortality%2C-Matrix-and-Singularity

Wer auf YouTube „Yeshayahu Ben-Aharon“ in die Suchzeile eingibt, findet das Video sehr leicht.

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Der dreifache ätherische Herzschlag Michaels


Dies ist die wichtigste anthroposophische Aufgabe seit Ende des letzten Jahrhunderts: diese drei ätherischen Ströme und Kräfte auf der Erde miteinander zu verbinden. Die ätherischen Kräfte, die aus der Mitte der Erde und dem Mysterium von Golgatha strömen, die ätherischen Kräfte, die so rein aus dem Geist des Nordens strömen, die zukünftigen Lebenskräfte Widars und seiner asgardischen Familie und die ätherischen Kräfte, die in Mitteleuropa brennen, durch die Wunde der Menschheit verletzt und in der ätherischen Welt verwandelt in die zukünftigen Kräfte, bei denen es um die Menschheitsheilung gehen muss.

Auszug aus dem Buch:
Menschendämmerung und Auferstehung der Menschheit
Aus dem 5. Vortrag: Die Äthergestalt lebt

Liebe Schulfreunde,

Seit Ostern 2017 hat sich die Bedeutung der Arbeit in der Schule für Geisteswissenschaft deutlich gewandelt. Man kann es mit dem vergleichen, was das Kind mit der Geburt seines freien Ätherleibes um das siebte Lebensjahr herum durchmacht. Die Kräfte, die den physischen Körper in den ersten sieben Jahren aufgebaut haben, werden nun frei, und es ist »schulreif«, weil es die frei gewordenen ätherischen Kräfte zum Denken, Fühlen und Wollen in einer Weise nutzen kann, wie es dies vorher nicht tun konnte. Es ist auch Teil einer größeren Gemeinschaft seiner Schule geworden und wird von nun an von seinen Lehrern angeleitet, das Grundwissen zu erlernen, das es für sein Leben auf der Erde braucht. Der gleiche Prozess, auf höherer, gemeinschaftlicher Ebene, ist auch mit unserer Arbeit geschehen. Nach mehr oder weniger sieben Jahren »physischer«, d. h. grundlegender, bodenständiger, spiritueller Vorbereitungen von 2009 bis 2016 sind wir »reif für die Schule«, die die wirkliche Schule Michaels ist. Dies ist der Grund, warum wir die Geburt unseres gemeinsamen Ätherleibes als ein echtes bewusstes Ereignis erleben konnten. Dies geschah zu Ostern 2017 in Israel, und seitdem entwickelt sich dieser freie Ätherleib weiter und empfängt in der ätherischen Welt einen sich intensivierenden Strom spiritueller Offenbarung, Inspiration und Wissen aus der Michael-Schule. Diese neue Offenbarung bildet die Substanz dessen, was wir 2017 in Israel, 2018 in Deutschland und jetzt 2019 in Schweden mitteilen konnten.

Ich habe zwei Einladungsschreiben verschickt, um unser jetziges Treffen vorzubereiten. Ich möchte hier einige aktualisierte Teile davon einfügen.

Das erste wurde am 3. Dezember 2018 verschickt:

Liebe Schulfreunde, wenn wir uns im Februar in Schweden wieder treffen, wird es unser drittes Treffen in dem Strom sein, der in Israel zu Ostern 2017 begann und sich im Februar 2018 nach Deutschland fortsetzte. Jetzt kommt er im Norden an, und wir möchten uns mit dem Geist des Nordens verbinden können so, wie wir es in Israel und Deutschland versucht haben. Unser Strom ist bestrebt, eine bewusste irdische Reflexion des Michael-Stroms in der ätherischen Welt zu werden. Sich dieses Stroms auf der Erde bewusst zu werden, kann nicht als passive Aufnahme neuen Wissens über ihn geschehen, sondern beruht auf einer kreativen Handlung. Solange er nur in der ätherischen Welt existiert, können wir über ihn informiert werden; aber von dem Moment an, wo er sich auf der Erde zu inkarnieren beginnt, wird er zu einer praktischen Gemeinschaftsaufgabe der gesamten Schulgemeinschaft. Unsere eigentliche Zukunftsaufgabe beginnt jetzt, und das Treffen in Schweden ist ihr gewidmet. Die Aufgabe erfordert größte Ernsthaftigkeit, Mut, Begeisterung und Freude, denn es geht darum, einen ätherischen Weg und Kelch auf der Erde zu schaffen, um den Pfad für die Inkarnation des Michaelischen Hauptimpulses in diesem Jahrhundert vorzubereiten.

Auf der Erde scheint unsere Arbeit oft isoliert zu sein, umgeben von Widerstand und Missverständnissen. Aber in der spirituellen Welt sind wir in der Gesellschaft unserer spirituellen Lehrer und Partner sehr willkommen. Wenn wir uns weiterhin treu bemühen, auf das zu hören, was sie uns sagen, werden wir entdecken, dass sie uns ermutigen, den Mut zu entwickeln, auf die Stimme unseres wahren Selbst zu hören – denn diese Stimme ist auch ihre Stimme! Mögen die Pharisäer und Doktoren der Geisteswissenschaft unserer Zeit weiterhin ablehnen, was die geistige Welt heute sagt, wir können sicher sein, dass, wenn wir uns in aller Demut, Treue und Ausdauer unserer Aufgabe widmen, immer mehr Menschen den Weg finden werden, der zu den gegenwärtigen Michael-Offenbarungen führt, die mit einer solchen Fülle aus der geistigen Welt strömen.

Wenn wir auf diese Stimme hören, werden wir uns der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ziele und Aufgaben des Michael-Stroms bewusst und richten unsere Arbeit auf der Erde entsprechend aus. Ich schlage vor, dass jeder von uns versucht, ein Destillat und einen Extrakt aus den Essenzen der wichtigsten Erfahrungen zu erstellen, die wir während der Schultreffen in Israel und Deutschland gemacht haben. Diese Auszüge können wir dann mit in den Norden bringen. Darüber hinaus sollten wir auch mit all dem arbeiten, was wir bei unseren früheren Treffen der globalen Schule in Schweden erlebt haben, wo die globale Schule in ihren Anfängen stand. Erinnern wir uns daran, dass der neue Impuls von Michael und der Schule für Geisteswissenschaft seit 1980 in Israel zu inkarnieren versuchte, aber immer wieder abgelehnt wurde; er konnte dort seine physische Heimat nicht finden, obwohl er spirituell immer in der heiligen Aura dieses Landes willkommen ist. Auch in Deutschland wurde seine Heimat nicht gefunden. Dank der besonderen Gnade des Geistes des Nordens fand er hier endlich seine erste Heimat. Hier konnten wir uns seit 2009 jedes Jahr in einer geschützten und unterstützenden Atmosphäre treffen. Von nun an können wir dieses Zuhause an jedem Ort und zu jeder Zeit, an dem wir unsere Arbeit tun können, erleben.

Wenn wir die Essenz aus unseren Erfahrungen in Israel und Deutschland in uns tragen sowie die Verbindung zwischen ihnen und sie mit dem verbinden, was wir hier seit 2009 erlebt haben, werden wir bei unserem Treffen in Schweden die Kraft und Bedeutung dieses dreifachen Extrakts erleben: Zunächst bringen wir die vergeistigte Essenz dessen, was wir erst in Israel und dann in Deutschland erlebt haben – und die wir in den letzten zwei Jahren gemeinsam erfahren haben – und werden einen vergeistigten Auszug aus dem hinzufügen, was wir in den früheren Jahren der globalen Schultreffen in Schweden erfahren haben. Die drei vergeistigten Auszüge zusammengenommen werden uns helfen, das vorzubereiten, was wir gemeinsam erfahren wollen, wenn wir uns im Februar 2019 in Schweden wieder treffen.

Versucht, mit euren spiritualisierten Erfahrungen so zu arbeiten, wie wir gelernt haben, mit den Meditationen aus Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? zu arbeiten. Bei den jüngsten jährlichen Schultreffen in Nordamerika, Schweden, Deutschland und Israel haben wir die entsprechenden Texte sorgfältig gelesen und uns auf die Art und Weise konzentriert, wie Rudolf Steiner den meditativen Prozess beschreibt. Er zeigt auf, wie wir zur Essenz des Objekts unserer Meditation vordringen können, indem wir unsere Erfahrung Schritt für Schritt vertiefen, sie vom Denken zum Fühlen und Wollen führen, allmählich mit ihrem Wesentlichen verschmelzen und uns ihres inneren spirituellen Wesens bewusst werden. Wenn wir mit den entscheidenden Erfahrungen, die wir bei unseren jüngsten globalen Schultreffen in Israel und Deutschland gemacht haben, das Gleiche tun, werden wir viel Substanz ernten können, die zum Wesen unserer spirituellen Aufgabe gehört.

Ein Extrakt aus unseren Erfahrungen in Israel zu Ostern 2017 könnte ein neues Gefühl für die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha, dem zentralen Ereignis der gesamten Entwicklung der Erde, und seine Verbindung mit der gegenwärtigen Offenbarung des ätherischen Christus beinhalten. Wir werden es nicht nur als vergangene Geschichte und religiöse Tradition oder als anthroposophische Tradition erleben können, sondern auch so, wie es heute wirkt und durch unsere Erfahrung der ätherischen Wiederkunft wieder lebendig wird. Der Extrakt aus unserem globalen Treffen in Deutschland 2018 könnte die wesentliche Bedeutung des spirituellen Ereignisses des 20. Jahrhunderts mit sich bringen. Zusammen bilden die beiden Auszüge aus Israel und Deutschland ein kraftvolles meditatives Material, das uns mit dem verbindet, was Michael und seine wahren Anhänger in der ätherischen Welt unserer Zeit wirklich betrifft und Klarheit und Gewissheit über den Sinn unserer Aufgabe bringt. Dann können wir der israelisch-deutschen Synthese auch den nordischen Extrakt hinzufügen, der in die Zukunft weist. Das kommende Treffen in Schweden im Februar 2019 wird das erste Treffen der globalen Schule im Norden sein, nach unseren gemeinsamen Erfahrungen in Israel und Deutschland. Und im größeren Kontext der menschlichen Evolution ist der nördliche Impuls die Quelle der zukünftigen Kräfte, die der Menschheit erst allmählich im Laufe der fünften nachatlantischen Epoche zufließen. In unserer Arbeit muss diese zukünftige Quelle zu einem unmittelbaren, gegenwärtigen Einfluss werden.

Wenn wir lernen, diesen dreifachen Strom bewusst zu verwirklichen, werden wir beginnen, ihn als eine Tatsache von größter spiritueller Bedeutung zu erleben. In den Norden zu gehen, bedeutet, dass wir unseren Ätherleib ausdehnen, während er den zukünftigen ätherischen Kräften gegenübersteht, die bisher auf der Erde nicht inkarniert sind. Von den noch rein jugendlichen Ätherkräften der Zukunft werden wir lernen, neue Keimkräfte in die Gegenwart zu bringen. Auf der anderen, der polaren Seite, wird die Reise nach Israel als Kontraktion unseres Ätherleibes und als Erdung erlebt. Dies ermöglicht ein tieferes spirituelles Eindringen in die Kräfte des Christus-Impulses in der Erde, und die Fähigkeit – auch das muss erst gelernt werden –, die spirituellen Schätze der Vergangenheit zu sammeln und in der Gegenwart zu vergeistigen. Mit Michael als Zeitgeist in Deutschland fruchtbar zu arbeiten, ist nur möglich, wenn wir lernen, das schwingende Pendel zwischen diesen beiden Polen aktiv zu harmonisieren.Dies wird zu einem kreativen ätherischen Ein- und Ausatmen des »neuen Yoga-Willens« Michaels. In der Arbeit der Schule werden wir in Zukunft lernen, die ätherischen Kräfte der Mitte zu erfahren, egal wo wir physisch auf der Erde leben. Es wird unser innerstes ätherisches, sich ständig bewegendes, zirkulierendes Herzorgan werden. Wir müssen lernen, einen voll bewussten gemeinsamen ätherischen Atem zu schaffen und seine Quelle in dem lebendigen spirituellen Ereignis des gegenwärtigen Jahrhunderts zu erfahren. In diesem zentralen Ätherherzorgan und seiner Aktivität werden wir lernen, die dynamischen Schwingungen und den Wesenstausch zwischen den überirdischen ätherischen Kräften des Nordens und den tiefen geistigen und ätherischen Kräften Israels zu erfassen und zu regulieren. Dies wird es uns erlauben, den Puls des sich selbst umwandelnden und ständig wechselnden Rhythmus zu finden, der in der Gegenwart herrscht zwischen den zukunftsorientierten ätherischen jugendlichen Kräften, die aus dem Norden fließen, und den ätherischen Kräften, die aus der Auferstehung der alten Erde in Israel fließen. Dies wird uns ermöglichen, die spirituellen Kräfte aus dem Norden und Süden, Osten und Westen zu sammeln und sie im ätherischen Zentrum unseres gemeinsamen Herzens zu aktivieren. Wenn eine solche Gemeinschaft in den kommenden Jahren gebildet wird, wird sie zu einem Kelch werden, durch den auch der ätherische Christus, das Höhere Selbst der Menschheit, seine Kräfte mit einer wachsenden und sich erweiternden Gemeinschaft eng verbundener geistiger Partner vereinen kann.

Die zukünftige Gemeinschaft der Schule für Geisteswissenschaft wird auf diese Weise real und aktuell werden, nicht nur ideal; ihr esoterisches Leben wird Teil unserer neu befreiten Ätherherzen und -leiber werden. Wir werden die ätherischen Kräfte der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft der Menschheit von einem Michaelischen Blickwinkel aus erleben. Die spirituellen Kräfte des Ostens, des Südens, des Nordens, des Westens und der Mitte sind nur ineinander und durcheinander zu finden, nicht isoliert in sich selbst. Daher wird nur in ihrer Begegnung und Synthese die wahre Mitte gebildet. Die ätherischen Kräfte Israels, Deutschlands und Skandinaviens – mit denen die Kräfte Nordamerikas verwandt sind – streben heute danach, in jeder menschlichen Mitte, in den wirklich lebenden Ätherherzen auf der ganzen Welt, zusammenzukommen. Unsere Aufgabe ist es, sie zusammenzubringen und sie mit Michaels lebendigem Herzschlag zu vereinen, der in der Mitte jedes Landes und jedes Kontinents pulsiert. Wenn wir ihn in der Mitte unserer Ätherherzen lebendig machen, werden wir ihn im Herzen Nordamerikas, Skandinaviens, Europas und Israels finden; wir werden ihn im Norden und Westen, Osten und Süden, im Herzen des Nordens in Skandinavien, im Herzen der Mitte der Erde in Israel und im Herzen Europas in Deutschland finden. Wenn es möglich sein wird, folgendes in vollem ätherischem Gemeinschaftsbewusstsein und in voller Aktivität zu erreichen: die Zusammenführung der ätherischen Kräfte aus der Mitte der Erde, die durch Israel nach Mitteleuropa wirken, mit den spirituellen Kräften, die durch Deutschland wirken, und beide mit den Kräften zu vereinen, die aus dem Geist Skandinaviens fließen, verstärkt und vermehrt durch die aktiven Willenskräfte Nordamerikas, dann werden wir das Michael-Karma der Menschheit und der Erde als Ganzes wirklich erleben können, so wie Michael und Christus wünschen, dass die Menschen sie in diesem Zeitalter erleben. […]

Dies ist die wichtigste anthroposophische Aufgabe seit Ende des letzten Jahrhunderts: diese drei ätherischen Ströme und Kräfte auf der Erde miteinander zu verbinden. Die ätherischen Kräfte, die aus der Mitte der Erde und dem Mysterium von Golgatha strömen, die ätherischen Kräfte, die so rein aus dem Geist des Nordens strömen, die zukünftigen Lebenskräfte Widars und seiner asgardischen Familie und die ätherischen Kräfte, die in Mitteleuropa brennen, durch die Wunde der Menschheit verletzt und in der ätherischen Welt verwandelt in die zukünftigen Kräfte, bei denen es um die Menschheitsheilung gehen muss. Dies ist nur durch die ätherischen Kräfte der ätherischen Wiederkunft möglich. Wenn es uns gelingt, die vergeistigten Substanzen dieser drei ätherischen Ströme zu verschmelzen und sie mit dem nordamerikanischen Strom zu verbinden, werden wir durch unsere bewussten, irdischen menschlichen Taten das wiederholen, was in der ätherischen Welt in der spirituellen Schule Michaels in den Jahren 1933–45 bis heute und bis in die ferne Zukunft erlitten und vollbracht wurde und wird, und deren nächste große Inkarnation auf der Erde vorbereiten.

 

Aus dem 5. Vortrag des Buches:
Menschendämmerung und die Auferstehung der Menschheit
Die Geschichte der Michael-Bewegung seit dem Tod Rudolf Steiners
Eine esoterische Studie

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Ahrimanische Unsterblichkeit, Matrix und Singularität

Der materialistisch-ahrimanische Impuls strebt danach, die „ahrimanische Unsterblichkeit“ zu verwirklichen, um die menschlichen Seelen vor und nach dem Tod an die physische Erde zu binden, und sie an solche Ziele zu ketten, die die absolute Umkehrung der wahren Geistesziele der Menschheit sind.

Erster Vortrag, Donnerstag 2.11.2017, Forum3, Stuttgart
Englisch mit deutscher Übersetzung
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Aus rechtlichen Gründen ist das YouTube-Video hier leider nicht eingefügt.

Hier der Link zu dem entsprechenden Blog auf der englischen Website, wo das Video angeschaut werden kann:
http://www.ibecoming.co.il/eng/Blog/641/Ahrimanic-immortality%2C-Matrix-and-singularity

Wer auf YouTube „Yeshayahu Ben-Aharon“ in die Suchzeile eingibt, findet das Video sehr leicht.

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